Abt-VW Golf GTI: Sechste Generation vom Tuner im Test

Abt-VW Golf GTI

300 PS, 400 Newtonmeter Drehmoment und 268 km/h Höchstgeschwindigkeit - 30 Jahre nach dem ersten Golf GTI von Tuner Abt setzt auch die sechste Generation Maßstäbe. Der getunte Kompakt-Sportler im Test

Turbo-Herz mit 163 PS, 230 Newtonmeter Drehmoment und nur 850 Kilogramm Gewicht - Golf GTI-Fahrer, die 1979 mit diesem Kraftpaket glänzten, mussten sich vor der Porsche 911er-Konkurrenz nicht fürchten. Zum Glück für die Piloten der Zuffenhausener Sportwagen ein eher seltenes Duell. Nur 120 getrimmte Golf I GTI rollten zwischen 1979 und 1982 aus der Tuning-Schmiede von Abt.

Sechste Generation des veredelten VW Golf GTI
 
Zum runden Geburtstag grollt 30 Jahre später die sechste Generation des veredelten GTI über die Piste. Altersmilde? Keine Spur. Während beim Ur-Vater optisch nur Kotflügel und Schürze in die Breite wuchsen, veränderten die Tuner aus Kempten beim aktuellen Abt-GTI die Optik deutlich mehr. Neben einer neuen Frontschürze mit großem Belüftungsschlund, Tagfahrleuchten und Frontlippe trägt Nummer sechs Seitenschweller, Dachkantenflügel und Heckdiffusor mit vierflutiger Abgasanlage. Typisches GTI-Merkmal ist der rote Streifen im Kühlergrill. Den gibt’s zwar nicht wie gewohnt im Wabengitter, dafür versprühten die Abt-Designer die Signalfarbe außen und vor allem im Interieur gleich mehrfach.
 
Jeden Geschmackstyp treffen höchstwahrscheinlich die stufenlos verstellbaren Recaro-Ledersitze, die noch besseren Seitenhalt als die schon gut konturierten, serienmäßigen GTI-Sportsessel mit Schottenkaromuster bieten. Und wie fährt sich der getrimmte Novize nun? Dank verändertem Motormanagement des Turbo-Direkteinspritzers und eines Turboladers mit größerem Schaufelrad stampfen statt 210 nun 300 Pferde unter der Motorhaube. Das maximale Drehmoment wuchs um 120 auf 400 Newtonmeter.
 
Eine Sekunde schneller auf Tempo 100
 
Mit der Leistungsspritze rennt der Abt-GTI mit DSG in sechs Sekunden über eine Sekunde schneller auf Tempo 100 als das handgeschaltete Serienpendant (Einzeltest VW Golf GTI: 7,2 Sekunden). Noch mehr Meter und fast fünf Sekunden verliert der Werks-GTI beim Spurt von 80 auf 160 km/h im sechsten Gang (21,4 zu 16,8 Sekunden). Doch nicht nur die nackten Messwerte überzeugen. Ab 2.000/min faucht der gestärkte Turbo wie ein hungriger Löwe auf Futtersuche. Ein kurzer Ruck an der Schaltwippe und die Gangwechsel machen sich auch ohne Momentenüberhöhung durch lautes Endrohr-Bollern bemerkbar. Trotz des Kraftzuwachses scharrt der Fronttriebler dank guter Traktion auch bei stehendem Start nicht mit den Vorderläufen. Die Antriebseinflüsse in der Lenkung bleiben dabei gering.
 
Tuner-Golf umrundet Hockenheimring mit 1.17,3 Minuten
 
Aber der Abt-GTI besticht nicht nur durch verbesserte Beschleunigung und Elastizität. Dank des Leistungsplus umrundet der Tuner-Golf den Kleinen Kurs in Hockenheim mit 1.17,3 Minuten exakt 2,5 Sekunden schneller als sein ziviler Bruder. Den Gesamteindruck trübt allerdings die geringe Freigängigkeit der einteiligen 19-Zoll-Räder. Sowohl auf der Rennstrecke als auch beim Slalom radierten die 225/35er Michelin Pilot Sport in den Radhäusern. Wer weniger Wert auf Optik legt, für den bietet Abt alternativ 18-Zöller mit besserer Freigängigkeit an. Dank 30 Millimeter niedrigerem Fahrzeugschwerpunkt durch die kürzeren und härteren Federn wankt der Abt deutlich weniger als ein GTI von der Stange. Emotionale Heckschwenks bei Lastwechseln à la Golf V GTI gehören aber auch beim getunten Vierzylinder nicht zum Programm.
 
Wie das Serienmodell schiebt der Power-Golf im Grenzbereich gutmütig untersteuernd über die Vorderachse. Durch das härtere Fahrwerkssetup speziell an der Hinterachse tendiert der Abt stärker zum Untersteuern und verliert dadurch etwas die GTI-typische Präzision beim Einlenken. So umkurvt er die Pylonen beim 18-Meter-Slalom mit 66,9 km/h genau 1,3 km/h langsamer als der normale GTI. Einmal über dem Limit bremst auch hier die Mischung aus nicht deaktivierbarem ESP und elektronischem Sperrdifferenzial XDS den Sportler sanft regelnd ein. Für ordentliche Verzögerungswerte installierten die Abt-Ingenieure eine größer dimensionierte Bremsanlage. An der Vorderachse werden nun innenbelüftete Scheiben mit 345 Millimeter Durchmesser (Serie: 312 Millimeter) in die Zange genommen. Damit steht der Abt-GTI aus Landstraßentempo auch nach der zehnten Vollbremsung zuverlässig nach 36,9 Metern.
 
Höchstgeschwindigkeit von 268 km/h
 
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 268 km/h (plus 30 km/h) mutiert der stärkste Abt-GTI zwar nicht zum Porsche-Schreck wie sein geistiger Vorgänger von 1979. Doch auch der Neuling wird mit seiner Performance nicht nur Kompakt-Gegner ungläubig stehen lassen.

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