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sport auto-Zeitschrift 09-2010

BMW M3 AC Schnitzer ACS3 Sport Coupé im Test

Gutes wird beim Tuner noch besser gemacht

Ein scharfes Profil wie das des BMW M3 noch schärfer zu machen gelingt nur, wenn man weiß, welche Stellhebel bedient werden müssen – und welche man, siehe das Beispiel AC Schnitzer – besser unberührt lässt.


Bilder
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Foto: Frank Herzog

Sportlich, dynamisch, stark - der BMW M3 AC Schnitzer ACS3 Sport Coupé

Sportlich, dynamisch, stark - der BMW M3 AC Schnitzer ACS3 Sport Coupé

Die Behauptung, wonach Qualität sofort zum Standard wird, wenn man ihrer umfänglich bewusst geworden ist, hat gewissermaßen etwas Destruktives: Da sitzt man im neuen BMW M3, dem im Supertest (Hier geht es zum Supertest BMW M3) aufgrund seiner sportlichen Meriten ein Zeugnis summa cum laude ausgestellt worden ist, und ertappt sich tatsächlich bei dem frivolen Gedanken, dass an der einen oder anderen Stelle vielleicht doch noch etwas Feinarbeit angebracht wäre. Die vollständige Aufhebung der 250-km/h- Begrenzung beispielsweise oder auch die eine oder andere Individualisierungsmaßnahme an der Karosserie, am Fahrwerk, an der Bremse oder vielleicht auch im Innenraum.
 
AC Schnitzer ACS3 Sport Coupé
 
„Theoretisch“, so der bei AC Schnitzer für die Technik verantwortliche Manfred Wollgarten, „sind den Um- und Aufrüstungswünschen natürlich kaum Grenzen gesetzt. Geht nicht gibt‘s bei uns nicht. Nur sollte das Resultat in jedem Fall auch in vernünftiger Relation zum finanziellen Aufwand stehen.“ Anfragen bezüglich nennenswerter Leistungssteigerung des von Haus aus 420 PS starken Vier-Liter-Achtzylinders werden in Aachen folgerichtig mit der entwaffnenden Gegenfrage beantwortet, wie viel man denn bereit sei auszugeben. Angesichts des von Haus aus extrem weit entwickelten Hochdrehzahlkonzepts schließen sich nämlich vernünftigerweise all jene Leistungsteigerungen aus, die tief greifende mechanische Veränderungen des V8-Innenlebens umfassen. Immerhin wartet der im Serientrimm schon bis zu 8.500/min drehende Saugmotor bereits ab Werk mit einer Literleistung von 105 PS auf.

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In 4,8 Sekunden von Null auf 100 km/h
 
Folgerichtig übt sich der von AC Schnitzer ansonsten umfänglich aufgehübschte und im Umfeld des Motors doch recht aufwändig präparierte M3 mit der Bezeichnung ACS3 Sport Coupé leistungstechnisch in sympathischer Bescheidenheit: Der nur durch die optisch eindrucksvollen Nachschalldämpfer verursachte Leistungszugewinn wird seitens des Herstellers mit gerade einmal fünf zusätzlichen Pferdestärken beziffert. Die Investition von knapp 2.000 Euro scheint insofern akzeptabel, als neben der optischen Aufwertung auch der akustische Beitrag nicht zu unterschätzen ist: Der dumpfe Bariton lässt einen Hubraumgewinn von mindestens einem Liter vermuten.
 
Der sympathisch- sonore, aber keineswegs ins Dröhnen abdriftende Klang geht nahe des roten Drehzahlbereichs in ein gellendes Trompeten über, das – gleichfalls trügerisch – ein Leistungsplus von mindestens 100 PS suggeriert. Wie die Messwerte ausweisen, offenbart der gegenüber dem Supertest-M3 durch die diversen Umbaumaßnahmen um 32 Kilogramm schwerere ACS3 in der Durchzugswertung einen signifikanten Temperamentszuwachs. Die 19,1 Sekunden, die der Serien-M3 etwa für den Sprint von 80 auf 180 km/h im sechsten Gang veranschlagt, unterbietet die AC Schnitzer-Variante allein dank der zweiflutigen Sportendtöpfe um immerhin eine halbe Sekunde – trotz des Mehrgewichts. Die Beschleunigungswerte aus dem Stand spiegeln den Leistungszuwachs allerdings nicht wider – sie sind durchweg annähernd identisch.


Grandiose Rundenzeit in Hockenheim
 
Die mit den reizvollen Klängen einhergehende Leistungsentfaltung des V8 ist in ihrer perfektionierten Gleichmäßigkeit zweifellos Ausdruck höchster motorischer Kompetenz. Allerdings lässt sie zumindest subjektiv etwas an Biss vermissen, was in der Praxis regelmäßig dazu führt, sich im ACS3 stets langsamer zu wähnen, als man tatsächlich ist. Grundsätzlich ist das sicher kein schlechtes Zeichen, kann auf der anderen Seite aber auch Anlass für fatale Irrtümer sein. Wie schnell das 425 PS starke Coupé faktisch ist, zeigt letztlich ein einziger Blick auf die in Hockenheim gemessene Rundenzeit, mit der die westfälische M3-Variante respektlos die atemberaubenden Niederungen der Supersport-Kategorie streift.
 
Mit der Zeit von 1.12,7 Minuten unterbietet der ACS3 die an sich schon grandiose M3-Zeit (1.14,3 min) um 1,6 Sekunden – mit vergleichbaren Reifen wohlgemerkt. Dieser sichtbare Zugewinn an fahrdynamischen Qualitäten ist, wie wir wissen, nicht einfach höherer Leistung geschuldet, sondern stützt sich auf ein Maßnahmenpaket, das im Wesentlichen ein gekonnt abgestimmtes Fahrwerks- Setup, eine verstärkte Bremsanlage und nicht zuletzt einen Satz Sportreifen vom Typ Michelin Pilot Sport Cup alter Prägung im 19-Zoll-Format beinhaltet. Wie schon beim von Schnitzer präparierten M3 CSL der E46-Baureihe setzt Fahrwerk-Spezialist Wollgarten bei den Reifenbreiten auf Parität: So trägt der ACS3 auf der Vorderachse dieselben breiten Reifenformate wie auf der Hinterachse – 265/30 ZR 19.

So testet sport auto

Im AC Schnitzer-Trimm neue Dimension erleben
 
Mit der so gewonnenen Verbesserung der Vorderachse hinsichtlich ihres Einlenkverhaltens wird zwar die Hinterachse verstärkt auf die Probe gestellt, aber keineswegs in einem so befremdlichen Maß, dass dies latent feuchte Hände am Volant zur Folge hätte. Oder anders ausgedrückt: Die vom M3 bekannte Neutralität erlebt im AC Schnitzer-Trimm eine neue Dimension. Das extrem spitze Einlenkverhalten und die unter dem Druck des V8 naheliegenderweise unveränderte Tendenz, bei ausgeschaltetem DSC mit dem Heck nach außen zu drängen, verlangt dem Fahrer im ACS3 jedoch mehr Fahrkönnen ab als im Serien-M3.
 
Dafür wird er – bei zwangsweise leicht eingeschränktem Abrollkomfort – mit einer Unmittelbarkeit der Reaktionen belohnt, die sonst allenfalls im reinen Rennumfeld anzutreffen ist. Die Bremsanlage, mit 380er-Stahlscheiben und Sechskolben-Festsätteln an der Vorderachse, erweist sich neben ihrer eindrucksvollen Verzögerungsleistung von bis zu 11,9 m/s² als vollumfänglich Rennstrecken-tauglich, und zwar dauerhaft. Womit der von AC Schnitzer behandelte M3 zumindest diesbezüglich in die Fußstapfen des legendären M3 CSL tritt, von dem es dem Vernehmen nach auf Basis des aktuellen M3 keinen Nachfolger geben wird. 

Basisdaten
Marke AC Schnitzer
Modell ACS3 Sport Coupé
Baujahr 09/2007
Grundpreis 121.512 Euro
Motor V-Motor 8 Zylinder
Ventile 4 pro Zylinder, dohc
Bohrung mal Hub 92,0 x 75,2 mm
Hubraum 3999 cm³
Verdichtung 12,0:1
Leistung 425 PS (313 kW) bei 8300 U/min
Drehmoment 400 Nm bei 3900 U/min
Literleistung 106 PS (78kW)/Liter Hubraum
Kraftübertragung Hinterradantrieb
Getriebe 6-Gang vollsynchronisiert
Gangübersetzungen I. 4,055, II. 2,396, III. 1,582, IV. 1,192, V. 1, VI. 0,872,
Achsübersetzung 3,85
 
Fahrwerk
Radaufhängung (vorn/hinten) Einzelradaufhängung / Einzelradaufhängung
Federung
(vorn/hinten)
mit McPherson-Federbeinen / mit Schraubenfedern, Stoßdämpfern
Stabilisatoren (vorn/hinten) ja / ja
Bremsdurchmesser (vorn/hinten) 380/355 mm
Reifenmarke Michelin Pilot Sport Cup
Reifen (vorn) 265/30 ZR 19
Felgengröße (vorn) 9,5 J x 19
Reifen (hinten) 265/30 ZR 19
Felgengröße (hinten) 9,5 J x 19
 
SPAX
sport auto-Index 4.3
Autor: Horst von Saurma
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Diffusor Diffusor » 10.02.2010, 13:37 Uhr  #1

Die gnadenlose Performance dieses Autos ist ausschließlich auf den Hirnschmalz eines einzigen Mannes zurückzuführen: Manfred Wollgarten. Es wird mir immer ein Mysterium bleiben, weshalb diese Koryphäe nicht schon lange als Fahrwerk-Guru für BMW oder andere Werke arbeitet. Bezahlt ihn AC Schnitzer besser? Ich wünsche es ihm von ganzem Herzen. Mir hat seine Kunst zu ungezählten Glücksmomenten auf der Nordschleife verholfen, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich verneige mich vor Dir, Manfred!

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