Hamann 500 Abarth Largo HS III: Knutschkugel als Golf GTI-Killer

Hamann-500 Abarth Largo HS II

Tuner Hamann Motorsport hat den 500 Abarth nachgewürzt. Wer diese Knutschkugel auf Fiat 500-Basis nicht ernst nimmt, hat schnell verloren. Mit 210 PS und 310 Newtonmeter macht der Hamann-500 Abarth Largo HS III Jagd auf VW Golf GTI und Co.

Wirklich leicht hatte es der Fiat 500 nach der Markteinführung 2007 nicht. Nein, wirklich ernst genommen hat den kleinen Italiener keiner. "Mein Gott ist der süß" oder einfach schlicht "Knutschkugel". Die Kommentare zum Nuova Cinquecento taten alles, um ihn nicht wie einen Sportskerl à la Mini dastehen zu lassen. Fiat schob die sportlicheren Modelle 500 Abarth und 500 Abarth esseesse nach, um an die historischen Rennerfolge zu erinnern. Mit mäßigem Erfolg. Auch die Wahl zum "European Gay Car of the Year" 2008 und 2010 dürfte das Ach-nein-wie-putzig-Image weiter vorangetrieben haben. Mit diesen Vorurteilen will Tuner Hamann jetzt aufräumen. Wir begrüßen im Test einen Herbie der Neuzeit. Einer, der die 500-Ehre wieder herstellen will.

Hamann-500 Largo HS III kostet über 60.000 Euro

Ein martialischer Name darf nicht fehlen, und ein Kraftpaket muss er unter der Haube haben: Willkommen im Test Hamann-500 Abarth Largo HS III - 210 PS stark und 61.880 Euro teuer. Ja, die Rede ist noch immer von einem Fiat 500. Auf Basis des 500 Abarth entwickelte Tuner Hamann Motorsport aus Laupheim einen rassigen Rennzwerg. Dank des Optik-Pakets "Aerokit Largo" plustert der Abarth die Backen seiner Kotflügel auf. LED-Tagfahrleuchten und große Lufteinlässe in der Frontschürze sowie eine Heckschürze mit integriertem Diffusor-Ansatz pumpen die Muskeln des Kleinwagens weiter auf. Damit der 500er beim Kampf David gegen Goliath nicht nur in puncto Optik vorn liegt, überarbeitete die Hamann-Entwicklungsabteilung auch den 1,4 Liter großen und 135 PS starken Turbo-Vierzylinder gründlich.

Die Ingenieure installierten einen neuen Abgasturbolader, der in Kombination mit einem Zusatzsteuergerät, angehobenem Kraftstoffdruck, vergrößerten Einspritzdüsen sowie einer Sportabgasanlage mit 200-Zeller-Kat für deutlich mehr Leistung sorgt. Das Ergebnis ist ein giftig laderpfeifender Cinquecento mit 210 PS und 310 Newtonmeter maximalem Drehmoment (Serie: 206 Newtonmeter). Wie ein brünftiger Elch röhrt der Hamann durch seine vierflutige Abgasanlage mit gewölbten Endrohren in DTM-Optik. "Seht her, hier bin ich", scheint der sportliche Südländer mit deutschen Wurzeln zu brüllen und rennt zum Test auf die Messgerade in Hockenheim.

Tuner-Zwerg in 7,2 Sekunden auf Tempo 100

Sein Antritt ist deutlich druckvoller als bei den Serienbrüdern. Mit 7,2 Sekunden auf Tempo 100 hat das Tunermodell den 500 Abarth (8,0 s) und 500 Abarth esseesse (7,9 s) bei der Sprintprüfung sicher im Griff. Wer jetzt noch einen Fiat 500-Witz auf Lager hat, dem haut der Hamann-Largo eine Rundenzeit auf dem Hockenheimring vor den Kühlergrill.

"Du bleibst eine Knutschkugel", lästert die ebenfalls 210 PS starke GTI-Konkurrenz aus Wolfburg. Das lässt der von Hamann Motorsport getunte 500er nicht lange auf sich sitzen und rollt im Test auf den Kleinen Kurs. Dank Gewindefahrwerk kauert der Largo mit breiten 18-Zoll-Schlappen dicht über dem Asphalt und lässt selbst den Tropheo 500 Abarth-Rennboliden alt aussehen. Wieselfink hastet er mit spürbar weniger Seitenneigung als das Serienmodell um die Ecken. Zwar lässt sich das ESP auch beim Largo nicht komplett abschalten, bei aktivierter Torque Transfer Control (TTC) kann die Eingriffsschwelle aber zumindest so hoch gesetzt werden, dass die Antriebsachse Schlupf produziert.

Hamann-500 ist schneller als ein VW Golf GTI

Für gute Traktion auf der Rennstrecke sorgt beim Hamann ein mechanisches Sperrdifferenzial. Die Antriebseinflüsse in der Lenkung sind zwar stärker als beim Werks-Abarth, Kurvenfahrten hingegen ein Genuss. Begeisterung weckt auch das zackige Einlenkverhalten. Am Kurveneingang verhält sich der HS III lange neutral, bevor er unter Last leicht zum Untersteuern tendiert. Mit gezielten Lastwechseln lässt sich das schmucke Hamann-Hinterteil sogar zu quirligen Heckschwenks bewegen. Eine glänzende Rundenzeit von 1.19,1 Minuten ist das Test-Ergebnis des runderneuerten Tuning-Sportpakets. Damit ist der Hamann Largo HS III 3,4 Sekunden schneller als der 500 Abarth und auch sieben Zehntel schneller als ein VW Golf GTI.

Doch das dicke Ende kommt an der Kasse: Wer noch einmal über die Aufpreispolitik von Porsche meckert, sollte sich die Preise von Hamann näher ansehen. Mit rund 61.900 Euro ist der getunte Abarth 500 genauso teuer wie die Basisvariante eines Porsche Cayman S mit 320 PS.

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