Hohenester-Audi TT RS Ausbaustufe II im Tuningtest

Getunter Audi mit Slalom-Talent

Hohenester-Audi TT RS Stufe II, Frontansicht

Nach eins kommt zwei. Nachdem die Ausbaustufe I des Hohenester-Audi TT RS 2010 im sport auto-Test für Furore gesorgt hat, rollt nun die Ausbaustufe II des bayerischen Sport-Coupés an den Start. sport auto lud die Clubsport-Version mit mechanischer Vorderachssperre, Cupreifen und 475 PS zum Tuning-Test.

Es war eine kleine Notiz im Handschuhfach des Hohenester-Audi TT RS, die den Mund wässrig auf mehr machte: "Lieber Herr Gebhardt, bei dieser kurzfristigen Vorbereitungsphase und 'halbfertigen' Aktion habe ich ein schlechtes Gefühl", schrieb Alfons Hohenester, als sein getunter Audi TT RS (hier geht es zum Test der ersten Ausbaustufe) erstmals Anfang 2010 die Redaktion besuchte. Ein schlechtes Gewissen musste Hohenester nicht haben, schließlich präsentierte sich der getunte Audi schon damals in Bestform. "Wir bauen den TT RS noch weiter um, dann bekommt ihr den Wagen noch einmal zum Test", versprach Hohenester damals.

Gesagt, getan. Der Hohenester-Audi TT RS ist mit Ausbaustufe II erwachsen geworden. Das ehemals in unschuldigem weiß lackierte Karosseriekleid bevölkern jetzt Startnummern und Rennstreifen. Nicht nur aus Optikgründen: Der Hohenester-Audi TT RS ringt nun in der deutschen Rennslalom-Meisterschaft um Platzierungen. Trotz Straßenzulassung hat sich der RS zu einem fast reinrassigen Renngerät entwickelt.

Hohenester-TT RS ist erwachsen geworden

Alltagstauglichkeit? Nahe null. So schleifte der dicht über dem Asphalt kauernde Power-Audi TT RS von Hohenester bei der Wäsche vor der Fotofahrt beinahe die halbe Waschstraße mit auf die Rennstrecke nach Hockenheim. Die technischen Modifikationen im Detail: Die Motorleistung des getunten TT RS steigt nochmals von 420 auf 475 PS.

Für die Leistungssteigerung sind neben einem veränderten Motormanagement ein Turbolader mit größerem Laufzeug sowie eine geänderte Ansaugung verantwortlich. Außerdem kommen Zündkerzen mit höherem Wärmewert zum Einsatz. Mit breiteren CFK-Kotflügeln vorn und einem Frontsplitter rollt der Hohenester-Audi TT RS jetzt auch optisch im Rennoutfit daher. Fahrwerksseitig bestehen nun sämtlich Achsanlenkpunkte aus Uniball-Gelenken.

50 Kilogramm schwerer wegen Reglement

Für das H&R-Clubsport-Fahrwerk der Ausbaustufe II wählte der Motorsport-erfahrene Tuner hinsichtlich des Einsatzgebietes im Slalom-Sport eine deutlich härtere Fahrwerksabstimmung. Rundum 18-Zoll-ATS-Räder mit 285er-Semislicks von Dunlop verleihen dem getunten Allradler zumindest bei der Beschleunigung einen Traktions-Orden (Ausbaustufe I mit 18-Zöllern und 265er-Dunlop Direzza 03G rundum).

Fast ohne jeglichen Schlupf sackt die Drehzahl bei einer Beschleunigung unter Volllast mit fliegender Kupplung deutlich ab, bevor der Hohenester-TT RS richtig losstürmen kann. Ein Grund, warum Stufe I und II trotz unterschiedlicher Leistung jeweils in vier Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Ein anderer Grund ist die deutliche Gewichtszunahme von 1.479 auf 1.529 Kilogramm, die in der Rennslalom-Meisterschaft reglementbedingt gefordert wird.

Stufe II ist auf Slalom eingestellt

Bis Tempo 200 erarbeitet sich die jüngste Variante dann dank der höheren Motorleistung acht Zehntel Vorsprung auf das Vorgängermodell (0 - 200 km/h: 15 s). Doch schon im 18-Meter-Slalom zeigen vor allem die technischen Änderungen im Fahrwerksbereich deutlich Wirkung. Neutral und mit 72,2 km/h wedelt der Audi TT RS von Hohenester nun fast zwei km/h schneller durch den Pylonen-Parcours als mit Setup Nummer 1. Es riecht nach einem Rundenzeit-Fest in Hockenheim.

Mit 1.12,1 Minuten rannte der Hohenester schon beim ersten Treffen 2010 2,9 Sekunden schneller über den sport auto-Referenzkurs als das Serienmodell aus Neckarsulm. Der Fünfzylinder trommelt zum Angriff. Dank Vorderachs-Sperre von Drexler und der breiten Cupreifen lässt sich der Wagen präzise dirigieren. Einlenken, und ab dem Scheitelpunkt wieder voll aufs Gas gehen. Wer sonst nur leistungsstarke Hecktriebler fährt, kann die Begriffe wie "progressiv Gas geben" direkt über Bord werfen.

Kontraproduktives Untersteuern auf der Piste

Hinterhältigkeit ist im Hohenester-TT RS ein absolutes Fremdwort. Doch im Vergleich zu seinem Erstauftritt verschenkt der schnelle Bayer einige Zehntelsekunden. "Für den Einsatz im Slalomsport hat der Wagen nun eine frontbetontere Abstimmung", erklärt Jörg Kuhn, der den Hohenester-TT RS in der deutschen Rennslalom-Meisterschaft steuert.

Was bei der Pylonenjagd schon für so manche Lorbeeren gesorgt hat, erweist sich auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim als kontraproduktiv. Das direkte Einlenkverhalten hat sich in ein leichtes Untersteuern gewandelt, das auch vor allem unter Last den Fahrfluss auf der Rennstrecke stört. Hier zeigte Variante eins ein deutlich neutraleres Fahrverhalten.

Aller guten Dinge sind drei

Während der Audi TT RS 2010 von Hohenester zumindest teilweise noch durch sein Eigenlenkverhalten und kleine Heckschwenks mitarbeitete, scheint der TT RS-Hintern heute wie durch eine Leitschiene auf einer Carrera-Slotcarbahn festgeschnallt zu sein. Durch die extrem harte Fahrwerksabstimmung regelt das ABS in Anbrems-Zonen mit Bodenwellen nicht mehr richtig - der TT RS verliert weitere Zehntel.

Ohne Zusatzgewicht und mit einer artgerechteren Abstimmung für Hockenheim könnte die schon jetzt schnelle Rundenzeit von 1.10,7 Minuten (Serien: 1.14,0 min.) noch deutlich nach unten gehen. "Wir bauen derzeit ein leichteres Auto komplett neu auf, das könnt ihr gerne noch einmal zum Test haben", sagte Alfons Hohenester nach Testende. Aller guten Dinge sind schließlich drei - wir warten auf die Ausbaustufe III.

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