Porsche Boxster RS 60 Spyder im Kurztest: Limitiertes Boxster-Sondermodell mit 303 PS

Die dem Mittelmotor-Boxster bislang verweigerte Sportkarriere könnte über Umwege nun doch einen Anfang nehmen: Das 303 PS starke Sondermodell RS 60 Spyder nimmt erstmals bewusst Bezug zur Rennsport-Geschichte auf.

Ob es wirklich ausreicht, mit grundsätzlich silberner Farbgebung, schwarzem Scheibenrahmen, roten Heckleuchten und nicht zuletzt einer „Limited Edition“- Plakette auf dem Handschuhfachdeckel einen glaubhaften Bezug zur legendären Porsche-Rennsport-Ära der 60er Jahre herzustellen, ist eine Frage des Standpunkts. Aber im Gegensatz zur Filmlegende James Dean, der wie kein Zweiter in seinen Filmen das Lebensgefühl seiner Zeit verkörperte – und der in einem puristischen Porsche Spyder tragischerweise ein filmreifes Ende fand, wissen die bei Porsche sicher, was sie tun. Unabhängig davon ist die Initiative in Form des auf 1.960 Exemplare limitierten Boxster-Sondermodells RS 60 Spyder schon allein insofern höchst bemerkenswert, als der Mittelmotor-Sportler seitens Porsche erstmals mit dem Motorsport in Verbindung gebracht wird – ein Privileg, das bisher ausschließlich der Carrera-Modellreihe vorbehalten war.

Die legendäre Rennsport-Ära: Porsche Boxter RS 60 Spyder
 
Laut Porsche-Pressetext nimmt der RS 60 Spyder nicht nur in Farbe, Form und Ausstattung Bezug zur legendären Rennsport-Ära der Sechziger. Auch in philosophischer Hinsicht wird eine Nähe zum berühmten Ahnen vom Typ 718 RS 60 Spyder hergestellt, der nach unzähligen Klassensiegen auch nahmhafte Konkurrenten der größeren Hubraumklassen herausfordern und bezwingen konnte. Immerhin gelang dem extrem zierlichen 1,5-Liter-Spyder im Jahr 1960 etwas, was dem aktuellen RS 60 Spyder in seiner Vita noch völlig fehlt: der Gesamtsieg beim prestigeträchtigen 12-Stunden-Rennen in Sebring/Florida. Der Bezug ist – sachlich betrachtet – schon extrem weit hergeholt. Denn technisch unterscheidet sich das Sondermodell nur unwesentlich von seiner Basis, dem 295 PS starken Boxster S. Allein die modifizierte Abgasführung steigert die Leistung um acht auf 303 PS. Auf der Fahrwerkseite sorgen Distanzscheiben dafür, dass die 19-Zoll-Räder noch etwas stämmiger in den Radhäusern stehen. Die marginale Mehrleistung drückt sich in den Fahrleistungen erwartungsgemäß nicht spürbar aus.

Vollgetankt 1.400 Kilogramm
 
Während die Beschleunigungswerte bis auf Zehntelsekunden-Unterschiede in etwa dieselben sind, macht sich im Durchzug eine Verschlechterung bemerkbar. Die 20,7 Sekunden, die der RS 60 Spyder für die Durchzugsübung von 80 bis 160 km/h im höchsten Gang veranschlagt, unterbot der zuletzt gemessene Boxster S um immerhin 1,5 Sekunden. Die marginale Verbesserung der Rundenzeit in Hockenheim – 1.15,4 gegenüber bisher 1.15,6 Minuten –, ist daher mehrheitlich den Umständen geschuldet und weniger den gesteigerten Sporttalenten. Woher soll‘s auch kommen, denn gewichtsmäßig hat sich im positiven Sinn ebenso wenig getan: Mit vollgetankt 1.420 Kilogramm fährt das Editions-Modell in derselben Gewichtsklasse wie der Boxster S. Der Verzicht der Hutze über den silber lackierten Instrumentengehäusen ist also nur eine Metapher und erfüllt daher ausschließlich gestalterische Zwecke.

1.960 limitierte Exemplare
 
Neben den Einstiegsblenden aus Edelstahl mit dem RS 60 Spyder-Schriftzug und dem griffigen Schalthebel und dem schmucken Lederlenkrad sind es vor allem die mit einer speziellen Prägung versehenen Mittelbahnen der mit Leder bezogenen Sportsitze und die dazu passenden Türinnenverkleidungen, die dem Innenraum zusammen mit ebenso silberfarbenen Sicherheitsgurten eine gewisse optische Besonderheit verleihen.
 
Die Beschränkung auf 1.960 Stück mag den Einstandspreis von immerhin 63.873 Euro (Basispreis Boxster S: 54.710 Euro) zusätzlich rechtfertigen. Doch die endgültige Legitimation für einen auserwählten Platz in der Sportwagen-Szene hat sich dieses Boxster-Modell nicht durch seine zusätzlichen Ausstattungsdetails oder durch die PS-Spritze verdient: Die famose Agilität, das narrensichere, vorbildlich neutrale Fahrverhalten, die hohe Praktikabilität und Verarbeitungsqualität sowie die geschliffenen Umgangsformen sind Ausdruck schon mehrfach bewiesener Boxster-Talente.

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