Porsche Panamera S im Einzeltest: Wie sportlich ist das 400 PS-Modell?

Porsche Panamera S

Wer dem Panamera in die Augen schaut, wird unverkennbar Porsche sehen. Von hinten oder der Seite wird jedoch klar, dass der Sportwagen-Bauer mit der Limousine im wahrsten Sinne des Wortes Großes vor hat. Der Viertürer blieb nur knapp unter der Fünf-Meter-Marke und ist als S - unüblich in dieser Klasse - auch als Handschalter zu haben.

Was man begonnen hat, muss man auch zu Ende bringen. Oder: Wenn schon vergleichbar, dann richtig. Was mit dem Cayenne seinen Anfang nahm, findet im Panamera, der viel zitierten vierten Baureihe, seine Fortsetzung: Die Zeiten, in denen bei Porsche einzig Sportwagen vom Band liefen, sind vorbei. Die Schwaben haben ihr Modell-Portfolio ausgedehnt und sprechen nun breitere Kundenkreise an, haben sich aber auch vergleichbar gemacht - das birgt Risiken.

Andererseits: Wenn die konzerninterne Konkurrenz rattenscharfe Sportwagen baut (siehe Audi mit dem R8 im Supertest), warum soll der eigentliche Sportwagen-Hersteller dann nicht auch SUVs und Limousinen entwickeln?

Porsche Panamera S auch mit manuellem Sechsganggetriebe

Porsche Panamera also. Als Einstiegsmodell firmiert, solange Ferdinand Piëch seine Dieselträume für die Limousine mit der coupéhaften Linienführung aus Stuttgart-Zuffenhausen noch alleine träumt, der aus dem Cayenne bekannte 4,8-Liter-Saugmotor mit 400 PS Leistung und 500 Newtonmeter Drehmoment. Anders als vergleichbare Achtzylinder-Modelle anderer Hersteller ist der Panamera S auch mit manuellem Sechsgang- statt Doppelkupplungsgetriebe (PDK) zu ordern.

Porsche traut dem handgeschalteten Modell zwar nur einen vergleichsweise geringen Marktanteil zu, will sportlich orientierte Familienväter mit Sinn fürs eigenständige Schalten und Walten aber nicht enttäuschen und hält deshalb auch in dieser Wagenklasse am traditionellen Getriebeprogramm fest. Da das Zusammenspiel zwischen Schaltbox und V8-Sauger ungemein harmonisch vonstatten geht und gut zum Charakter des Panamera passt, ist dies uneingeschränkt zu begrüßen. Schließlich soll - das war dem süddeutschen Sportwagen-Hersteller, der seine Unabhängigkeit mit der sukzessiven Eingliederung in den niedersächsischen VW-Konzern bis zum Jahr 2011 verlieren wird - auch der Panamera die sportliche Speerspitze seiner Klasse markieren.

Üppige Abmessungen des Porsche Panamera S sind ungewohnt

Wenngleich die üppigen Abmessungen für einen Porsche abseits des Cayenne durchaus ungewohnt sind: Das Basismodell muss mit seinen 400, an den Hinterrädern angreifenden Pferdestärken, stattliche 4,97 Meter Länge und beachtliche 1.884 Kilogramm Lebendgewicht fortbewegen. Damit dies in artgerechter Art und Weise gelingt, sind allerlei Anstrengungen nötig. Ergo rollte der Testwagen mit allen Schmankerln, die die Panamera-Ausstattungsliste zu bieten hat, in die Redaktion. Fahrdynamisch relevant sind davon vor allem die PCCB-Bremsanlage (8.033 Euro), der 20-Zoll-Sport-Design-Radsatz (2.856 Euro), das luftgefederte PASM-Fahrwerk (1.951 Euro) sowie das Sport Chrono Paket Plus (787 Euro) und die Sportabgasanlage (2606 Euro). Für die restliche Differenz zwischen Fahrzeug-Grundpreis (94.575 Euro) und Testwagenpreis (141.669 Euro) zeichnen Komfortfeatures wie etwa die Komplett- Lederausstattung, das Bose-Soundsystem oder ein elektrisches Schiebe-/Hubdach verantwortlich.

Im Alltag lässt es sich somit höchst trefflich leben im Porsche Panamera S. Dies gilt umso mehr, als sich die gleichfalls aufpreispflichtigen adaptiven Sportsitze dank umfangreicher elektrischer Verstellmöglichkeiten perfekt an jedwede Statur anpassen, der auf der hochgezogenen, bis in den Fond durchlaufenden Mittelkonsole positionierte Schalthebel ideal zur Hand liegt, das Lenkrad einen sehr weiten Verstellbereich in allen Dimensionen offeriert und das Raumgefühl vorn wie hinten üppig ist. Die Abwesenheit störender Fahr- oder Windgeräusche im gut gedämmten Innenraum macht lange Reiseetappen zum Genuss.

Den Klappenauspuff des Porsche Panamera S hört man nur bei geöffneten Fenstern

Die Tatsache, dass sich der Viertürer ebenso wie die Sportcoupés der Marke mit Klappenauspuff ordern lässt, sollte in diesem Zusammenhang freilich nicht überschätzt werden: Nur wer mit geöffneten Luken unterwegs ist, wird der dann minimal sonoreren Stimmfarbe des 4,8-Liter-V8 und des warmen Herzschlag-Wummerns beim Übergang vom Last- in den Schiebebetrieb gewahr. Die klangliche Abstimmung der Auspuffanlage wurde dem primären Verwendungszweck des Autos angepasst.

Dabei könnte der handgeschaltete Panamera S den Mund ruhig etwas voller nehmen. Schließlich macht ihm auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim so leicht keiner der direkten Konkurrenten etwas vor, wie der Blick auf den Vergleich zwischen dem E 500 Coupé und dem Granturismo S beweist. Mit 1.15,8 Minuten setzt sich der 1,9-Tonnen-Porsche auf der Strecke nicht nur zeitlich weit besser in Szene als der Mercedes (1.17,1 min.) und der Maserati (1.16,3 min.). Auch seine ausgeprägte Handlichkeit und Neutralität überraschen positiv. Diesbezüglich folgt der Panamera ganz der Tradition der Marke. Die Performance des Hecktrieblers im Standardsprint ist der Klasse angemessen, die auf der Bremse trotz Keramikstoppern subjektiv schlechter als von der Marke gewohnt. Objektiv ist kein Unterschied zu spüren.

Dass die Fünf-Meter-Limo im eng gesteckten Slalom-Parcours keine Bäume ausreißt, liegt wegen des langen Radstands auf der Hand. 66,1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit sind in dieser Klasse aber aller Ehren wert. Dass auch der Verbrauch standesgemäß ist, dürfte Panamera-Eigner schon weniger freuen.

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