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sport auto-Zeitschrift 08-2010

VW Golf R mit 270 PS im Test auf der Rennstrecke

Der VW Golf R kann den GTI klar distanzieren

Die Fan-Gemeinde des vorhergehenden VW R-Modells mit der Kennziffer 32 im Namen blieb aufgrund des durstigen Sechzylinder-Saugers begrenzt. Der neue VW Golf R mit 270-PS-TFSI-Motor gibt sich allgemeinverträglicher. Beim Test auf der Rennstrecke zeigt er sein ganzes Potenzial.


Bilder
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Foto: Rossen Gargolov

Wie schlägt sich das neue VW Golf-Topmodell auf der Rennstrecke?

Wie schlägt sich das neue VW Golf-Topmodell auf der Rennstrecke?

Auch wenn der Grundpreis des 270 PS starken VW Golf R in der das Verhältnis von Preis und Leistung berücksichtigenden sport auto-Wertung für die Bestmarke von zehn Punkten gut ist - die Gemeinde der Schnäppchenjäger könnte angesichts des stolzen Einstiegspreises in das sportliche Kompaktvergnügen wohl der spontanen Schnapp-Atmung anheimfallen: Kommt doch der Newcomer mit exakt 36.400 Euro für die handgeschaltete Variante rund 10.000 Euro teurer als der 210 PS starke kleine Bruder namens GTI.

Preis-Leistungs-Verhältnis auf ähnlichem Niveau

Angesichts der Tatsache, dass es für den stattlichen Mehrpreis weder zwei zusätzliche Zylinder wie zu Zeiten des seligen VW Golf R32, noch einen auffallend anderen, spoilerbewehrten Auftritt gibt, erscheint das erst einmal viel. Heruntergebrochen auf die nicht minder üppige Mehrleistung von stolzen 60 PS aus identischen 1.984 cm³ Hubraum geht die Kalkulation der Niedersachen jedoch voll in Ordnung, wie die Preis-Leistungs-Kennziffer des sport auto-Wertungssystems beweist. Unterm Strich kommt die Pferdestärke im VW Golf R mit 135 Euro nicht allzu viel teurer als beim Golf GTI (127 Euro/PS). - Die Wertungen finden Sie im Reiter "Fazit" an der Bildoberkante.

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Das kompakte Topmodell hat Allradantrieb
 
Aber genug der Haarspalterei: Die Entscheidung pro oder kontra VW Golf R oder GTI dürfte sich aufgrund eines strikt vorgegebenen Budgets entweder ohnehin von allein erledigen, oder anhand rein sachlicher Kriterien getroffen werden. Schließlich wartet das kompakte Topmodell nicht nur mit deutlich mehr Lendenkraft, sondern auch mit den Vorzügen eines allwettertauglichen Allradantriebs auf. Für all jene, die im heuer tief verschneiten Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg schon einmal ungewollt auf der Strecke geblieben sind, könnte das den entscheidenden Unterschied machen.
 
Zweiliter-Turbo-Motor aus dem Audi S3
 
Die sportliche Hardcore-Klientel wird nun einwerfen, dass das höhere Sicherheitsreserven bergende Antriebssystem mit Haldexkupplung deutlich schwerer wiegt und daher gemäß des auch in Sportfahrerkreisen überaus populären Lean Managements grundsätzlich zu verachten ist. 1.532 Kilo Lebendgewicht sind schließlich keine Kleinigkeit. Tatsächlich kann das Mehr an Masse den VW Golf R jedoch nicht wirklich bremsen. Der von dem aus dem Audi S3 hinlänglich bekannten, antritts- und durchzugsstarken Zweiliter-Turbo mit Benzindirekteinspritzung befeuerte Allradler gibt sich weder im Standard-Messprogramm noch bei der Zeitenhatz auf der Rennstrecke eine Blöße.
 
7,2 Sekunden für den Sprint auf Landstraßentempo wie im handgeschalteten GTI (hier kommen Sie zum Test VW Golf GTI)? Da kann der R nur müde lächeln. Er spritzt in 6,0 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. 1.19,8 Minuten für den 2,6 Kilometer langen Überflug des Kleinen Kurses in Hockenheim? Auch das geht im Golf R ein gutes Stück schneller. Hier lässt das allradgetriebene Sportmodell den frontgetriebenen Bruder mit 1.17,0 zu 1.19,8 Minuten noch deutlicher hinter sich. Dabei liegt das Geheimnis des R-folgs nicht allein im gestiegenen Temperament des mit nunmehr 1,2 bar zwangsbeatmeten Vierzylinders, dem um 25 Millimeter abgesenkten Fahrzeugschwerpunkt oder den rundum zehn Millimeter breiteren Laufflächen der gegen Aufpreis 235/35 R 19 großen Dunlop SP Sport Maxx GT-Reifen.
 
Fahrassistenzsysteme erlauben mehr Sportlichkeit
 
Die gestiegenen fahrdynamischen Qualitäten sind auch und vor allem der größeren Zurückhaltung der Fahrassistenzsysteme geschuldet. Zwar bleibt auch beim Topmodell mit Allradantrieb das elektronische Fahrstabilitätsprogramm ESP selbst dann in Hab-Acht-Stellung, wenn der Fahrer mittels Knopfdruck seinen Willen zur Selbstbestimmung bekundet hat. Anders als beim GTI liegt die Schwelle, ab der das System Handlungsbedarf erkennt, jedoch auf einem für sportlich orientierte Fahrer akzeptablen Niveau. Einzig wer beim Einlenken noch auf der Bremse steht, wird hin und wieder mit dezenten Regeleingriffen bestraft. Deutlich langsamer gerät die schnelle Fuhre deshalb freilich nicht - im Gegenteil.
 
Mit der in Hockenheim realisierten Rundenzeit kann der Wolfsburger selbst so etablierten Kompaktsportlern wie dem Renault Mégane RS (Hier kommen Sie zum Test Renault Mégane RS) oder dem Ford Focus RS (Hier kommen Sie zum Test Ford Focus RS) den Rang ablaufen. Der frontgetriebene 250-PS-Franzose verliert drei Zehntelsekunden, der gleichfalls die Vorderräder antreibende, 305 PS starke Ford gar deren acht auf den Golf R. Dass Allradantrieb nicht zwangsläufig langsam macht, hat anno 2006 bereits der grundsätzlich baugleiche, mit nominell 265 PS antretende Audi S3 unter Beweis gestellt. Auf weniger stark der Fahrdynamik verschriebenen Gummis (Conti SportContact 2 der Dimension 225/40 R 18) zauberte er schon damals eine Zeit von 1.17,5 Minuten auf den Hockenheimer Asphalt. Insofern passt der Auftritt des Golf R also ideal ins konzerninterne Bild.
 
Vor diesem Hintergrund haben wir uns getraut, dem Newcomer von Volkswagen seinerseits im 18-Meter-Slalom einen Tick mehr zuzutrauen als dem S3. Definitiv unter Beweis stellen konnte der Golf R seine Fähigkeiten in dieser Disziplin binnen der wenigen Tage, die er in der Redaktion verweilte, nämlich nicht. Erst war die Strecke belegt, dann wurde das Wetter dauerhaft schlecht. In Anbetracht der vom Konzernbruder im Dezember 2006 realisierten Durchschnittsgeschwindigkeit von 67,4 km/h sind beim optimaler bereiften VW R-Modell in der 180 Meter langen Pylonengasse gut 68 km/h als wahrscheinlich anzunehmen. Damit würde der allradgetriebene Top-Golf gleichauf mit dem in der sportlichen Kompaktklasse seit Ende vergangenen Jahres führenden Renault Mégane RS mit Frontantrieb rangieren, der sich vom Stand weg 43 Punkte in der sport auto-Gesamtwertung sichern konnte.
 
Spritverbrauch des 270 PS Golf R hält sich im Rahmen
 
Den real herausgefahrenen Wert für den VW Golf R reichen wir selbstredend so bald wie möglich nach. Dass der Top-Golf aller fahrdynamischen Qualitäten zum Trotz kaum weniger Komfort bietet als das GTI-Modell, ist ihm als besonderes Verdienst anzurechnen. Wer die 270 PS zwar besitzen, nicht aber ständig den Grenzbereich ausloten will, findet im Golf R einen nahezu perfekten Begleiter für alle Tage. Auch der Spritverbrauch hält sich dank des Downsizings unter der Motorhaube im Vergleich zum R32 im Rahmen. Einzig Schnäppchenjäger könnten meinen, dass es in dieser Leistungsklasse noch viel günstiger geht.


So testet sport auto
Basisdaten
Marke VW
Modell Golf R
Baujahr 10/2009
Grundpreis 37.165 Euro
Motor Reihenmotor 4 Zylinder Abgasturbolader
Ventile 4 pro Zylinder, dohc
Bohrung mal Hub 82,5 x 92,8 mm
Hubraum 1984 cm³
Verdichtung 9,8:1
Leistung 270 PS (199 kW) bei 6000 U/min
Drehmoment 350 Nm bei 2500 U/min
Literleistung 136 PS (100kW)/Liter Hubraum
Kraftübertragung Allradantrieb
Getriebe 6-Gang vollsynchronisiert
Gangübersetzungen I. 3.357, II. 2.087, III. 1.469, IV. 1.088, V. 1.097, VI. 0.912,
Achsübersetzung 4,24
 
Fahrwerk
Radaufhängung (vorn/hinten) Einzelradaufhängung / Einzelradaufhängung
Federung
(vorn/hinten)
mit McPherson-Federbeinen / mit Schraubenfedern, Stoßdämpfern
Stabilisatoren (vorn/hinten) ja / ja
Bremsdurchmesser (vorn/hinten) 345/310 mm
Reifenmarke Dunlop SP SportMaxxGT
Reifen (vorn) 235/35 ZR 19
Felgengröße (vorn) 8 J x 19
Reifen (hinten) 235/35 ZR 19
Felgengröße (hinten) 8 J x 19
 
SPAX
sport auto-Index 5,8
Autor: Anja Wassertheurer
Ist der VW Golf R ein würdiger R32-Nachfolger?


VR6-Fahrer VR6-Fahrer » 15.05.2010, 19:28 Uhr  #14

Apropos Downsizing und "mit der Zeit gehen": Im Audi S3 ist derselbe Motor drin wie im Golf R. Eine normale Corvette C6 ( "Uralttechnik" ) verbraucht dank ihrer besonderen Getriebeabstufung etwa genausoviel wie der S3, egal ob sparsamfahren oder racen, und bietet noch 140-180 PS mehr. Laut Supertest 08/2005: 11L min, 18,8L max, 14,3L Durchsch.!Sagt mir bitte Einer einen Turbo mit aehnlicher Leistung der weniger verbraucht. Mein Vorschlag an VW: Bitte wieder einen 6-Zyl mit laaaaangem sechsten Gang und die ganze komplizierte Sch...-Motorentechnik koennt ihr getrost weglassen!!!

R32Liebhaber R32Liebhaber » 10.03.2010, 02:48 Uhr  #13

Wieso sollte der 6Zylinder nichtmehr " in die Zeit" passen. Wer beim R32 von schwerfälligkeit spricht, hat das Fahrzeug noch nie gefahren. Die 5,5Sek für den R20 auf 100 laut Papier von VW Interessieren nicht, realistischere Werte sind um die 6,0 wie in obigen Text. Und da sehe ich gegenüber einem R32 weder auf die 100 noch auf die 200 einen Vorteil. Ich kann einen größeren Motor bei ruhiger Fahrweise genauso sparsam fahren. Ein Turbomotor bleibt untertourig nur sparsam, sobald aber der Turbo am drehen ist, wird auch mehr Benzin verfeuert.Für einen sportlichen Fahrer wird es beim R20 gegenüber einem R32 keinen großartigen Verbrauchsvorteil geben. @justacardriver Turbo wechseln ?Bevor ich beim R20 den Turbo wechsel, baue ich für die selben Kosten im R32 einen standfesten Turbo ein und habe bis zu 6xxPS und diese standfester als im R20.Ich kaufe Ihnen keinesfalls ab, dass Sie jemals einen R32 besessen haben.

Schoettler Schoettler » 08.03.2010, 14:12 Uhr  #12

Was mir bei dieser Diskussion auffällt: Hier wird nur über die Mehrleistung als Argument für die 10.000 Euro Aufpreis geredet. - Die meisten in dieser Runde unterschlagen einfach den Allradantrieb und die doch etwas bessere Grundausstattung - zu den 60 PS Mehrleistung!
Mit DSG kommt der aktuelle R übrigens auf knappe 5,5 Sekunden auf 100 km/h.
Der 6-Zylinder passt einfach nicht mehr in die Zeit und es war richtig von VW sich davon zu trennen.
Zudem ist es der Dynamik zuträglich, wenn ein leichterer Motor auf der Vorderachse sitzt.

pete234 pete234 » 08.03.2010, 11:30 Uhr  #11

@justacardriver

sie wissen schon, dass es für den r32 auf basis des golf 4 und 5 zwischen 300 und 630PS so ziehmlich jede tuning stufe gab?
Und das auch noch standfester, als es dieses neue nette kleine motörchen von haus aus ist.

Justacardriver Justacardriver » 08.03.2010, 09:25 Uhr  #10

Ich hatte ja selber einen R32 (Golf V) und war heftig happy mit dem Sound und der guten Verarbeitung dieses tollen Fahrzeugs. Leider aber war ich gar nicht von der Leistung der zur Verfügung gestellten 250 PS zufrieden. Der Sound machte es aber wieder wett... Es war so ein Fahrzeug, bei welchem man, sobald man sich einem Tunnel nähert, automatisch die elektrischen Fensterheber betätigt, einen oder zwei oder drei Gänge runterschaltet, damits so richtig schön röööööööööhrt im Tunnel...

Das Downsitzing-Prinzip überzeugt mich, da es mit der Zeit geht. Der Schluckspecht R32 hat ausgedient, insbesondere unter anderem auch weil die Abgaswerte schlechter waren als die des neuen Golf R. Der "gepumpte" Motor bietet ein hervorragendes Leistungssteigerungspotential, wie es beim R32 niemals der Fall war. Turbo auswechseln, Ladeluftkühler, abgestimmte Sportaufspuffanlage und und und... und dann sind wir bei deutlich mehr als 350 PS...

Ich werde meinen Spass haben mit dem neuen Golf R ;-)

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