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sport auto-Zeitschrift 08-2010

Lamborghini Miura SV im Fahrbericht: Ein Oldie mit Suchtpotenzial

1966 geboren, avancierte der Lamborghini Miura mit V12-Quermotor alsbald zum Kult-Sportler. Die letzte Ausbaustufe zierten die Lettern SV für "Super Veloce". Sie trat ab 1971 mit 385 PS an.


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Foto: Lamborghini

Die letzte Ausbaustufe des Miura zierten die Lettern SV für "Super Veloce" mit 385 PS.

Die letzte Ausbaustufe des Miura zierten die Lettern SV für "Super Veloce" mit 385 PS.

Valentino Balboni denkt, fühlt und lebt Lamborghini. Seit 1968 ist der heute 60-Jährige ein kaum mehr wegzudenkender Bestandteil der 1963 gegründeten italienischen Sportwagenfirma: erst als Mechaniker, ab 1973 dann als Testfahrer - seiner wahren und eigentlichen Berufung. Und weil man(n) einer Berufung nicht so einfach abschwören kann wie einem Beruf, hat der Umstand, dass der passionierte Autofahrer Ende vergangenen Jahres offiziell in den Ruhestand verabschiedet wurde, daran bis heute auch wenig geändert.

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Der Lamborghini Miura SV bleibt Balboni immer in Erinnerung

"Aus arbeitsrechtlichen Gründen musste ich gehen - offiziell", kommentiert das Lamborghini-Urgestein seine aktuelle Form der Tätigkeit in St. Agata Bolognese. "Aber nicht mehr zu arbeiten kam für mich auch nicht in Frage." Also greift der ungewollte Rentner, der die Firma in all ihren Daseinsformen kennt - vom Inhaber-geführten Unternehmen zu Zeiten Ferruccio Lamborghinis bis hin zum Teil eines Großkonzerns seit der Übernahme durch Audi - seinen Kollegen nach wie vor ganz selbstverständlich unter die Arme. Bei der Entwicklung neuer Autos ebenso wie bei der Restaurierung und Wartung der älteren Sportwagen.

Mit dem Lamborghini Miura SV, den sport auto sich zwecks Abgleich mit dem aktuellen Supertest-Murciélago SV (hier geht's zum Supertest) erbeten hat, verbinden Balboni besondere Erinnerungen: "Der letzte Miura ist das erste Auto, dessen Geschicke ich als Testfahrer aktiv mitbestimmen durfte. Das vergisst man nicht."
 
Der Lamborghini Miura SV wurde ab 1972 gebaut
 
Wie auch - bei dem Aussehen? So, wie der Zweisitzer vor der Scheibe des Museums steht, tief über den Asphalt geduckt, feingliedrig und kraftstrotzend zugleich, dürfte sich kaum jemand, der auch nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, dem Appeal des hinterradgetriebenen Zweisitzers entziehen können. Die Dachlinie reicht groß Gewachsenen gerade bis zur Hüfte, die Kotflügel wölben sich vorn wie hinten schwungvoll-elegant über 15 Zoll großen Alu-Rädern. Das mutet ebenso zeitlos und modern an wie die elektrisch hochfahrenden Rundscheinwerfer, die im Ruhezustand artig in den für sie vorgesehenen Höhlen ruhen, oder die Lufteinlässe in den farblich abgesetzten Schwellern und den hinteren Seitenteilen.

Ein aus Alu gefertigtes Karosseriekleid ohne Stoßstangen ist heute hingegen nicht mehr denkbar. Alle anderen modernen Ausstattungsfeatures hat der 1972 gebaute Lamborghini Miura SV aber bereits an Bord: elektrische Fensterheber beispielsweise oder eine justierbare Lenksäule - wenngleich für letztere die Fachwerkstatt oder zumindest das gute alte Bordwerkzeug zu bemühen ist. Einen neuzeitlichen Schnellverschluss gibt es in diesem nostalgisch Umfeld nämlich nicht.

Im Lamborghini Miura SV stehen 385 PS zur Verfügung
 
Ergo ist die Sitzposition anfangs nicht wirklich lässig - irgendwie Frosch-ähnlich. Wer lange Beine hat, gerät angesichts des mangelnden Verstellbereichs des Fahrersitzes in Bedrängnis. Die Fauteuils können nicht weiter nach hinten rutschen, weil im Rücken der Passagiere, direkt hinter der Schottwand, das Herzstück der 4,39-Meter-Flunder agiert: ein quer vor der Hinterachse montierter Zwölfzylinder-Saugmotor mit vier Liter Hubraum. Moderne Lamborghini - so auch der supergetestete Murciélago SV - tragen ihren Zwölf-Ender längs. Für die Kraftübertragung an alle vier Räder zeichnet ein automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe verantwortlich.

Der Miura SV fordert bei voller Anforderung der 385 zu Gebote stehenden Pferdestärken dagegen ausschließlich die Hinterräder und zwingt seinen Piloten zur Handarbeit: Die fünf Fahrstufen werden präzise in einer offenen Kulisse geführt. Nettes Detail am Rande: Weil der Rückwärtsgang beim Miura da zu finden ist, wo heute gemeinhin der sechste Gang einrastet, kann der Fahrer sich bei Bedarf mittels eines kleinen Sperrhebels vor sich selbst schützen. Auf dass der Motor, der über dieselbe Ölwanne geschmiert wird wie das selbst gefertigte Getriebe und das von ZF zugelieferte Differenzial, nicht vorzeitig das Zeitliche segne. Aber nun Genug geschwätzt - auch wenn man den Erlebnissen und Erfahrungen von Valentino Balboni fraglos ewig lauschen könnte. Wir wollen fahren. Gelegenheiten wie diese sind selten genug.
 
Sportwagen-Feeling pur im Lamborghini Miura SV
 
Der Motor brüllt auf, dann brummelt er vernehmlich vor sich hin. Wer mag kann die Auswirkungen seines Spiels mit dem Gaspedal im Stand durch die hinter den Sitzen befindliche Glasscheibe verfolgen: Dort agiert das Drosselklappengestänge. Ist der Miura SV einmal in Fahrt, bleibt für den genüsslichen Blick zurück selbstredend keine Zeit. Vorgesehen scheint er anno '72 ohnehin nicht gewesen zu sein, sonst wäre der ovale Außenspiegel vor der A-Säule wohl größer ausgefallen. Tatsächlich dürften die Lambo-Fahrer der späten Sechziger und frühen Siebziger ihren Kollegen also ähnlich deutlich überlegen gewesen sein wie jene des 21. Jahrhunderts. Keine Frage - dieser Oldie ist potent und überraschend wenig angegraut. Sportwagen-Feeling pur mit einem Leistungsangebot, das modernen Ansprüchen genügt, zudem erstaunlich viel Komfort.

Von gestern sind in diesem bedingungslos sporttauglichen und mit rund 75.000 Mark einst exorbitant teuren Umfeld nur die kopfstützenlosen Sitze und die nicht automatisch aufrollenden Gurte. Alles andere - auch die launigen Geschichten Balbonis aus vier Jahrzehnten Lamborghini - birgt Suchtpotenzial. Kein Wunder, dass der Mann auch weiterhin in diesen Kategorien denken, fühlen und leben will. Wer würde schon freiwillig gärtnern, wenn er solche Testfahrten haben kann?


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Autor: Anja Wassertheurer
Begeisterter Begeisterter » 11.03.2010, 09:29 Uhr  #2

@ bagoeg: stimme Ihnen absolut zu. Als Kind hatte ich das Glück diesen Wagen in Frankfurt zu sehen. Mit großen Augen lief ich mehrmals um den Wagen herum. Als der Besitzer breit grinsend auf mich zu kam und mich fragte, "willst du dich mal reinsetzen?" war mein ewiger Favorit aller Traumwagen-Quartette geboren.
Auch mich begeistert das Design bis heute. Einfach Wahnsinn.
Schöner Bericht, Tolle Bilder. DANKE!!!

bagoeg bagoeg » 10.03.2010, 14:59 Uhr  #1

DAS war noch Design - Wunderschoen. Eigentlich gibts gar kein Wort fuer diese Schoenheit.

Auf Bild 5 sieht er ganz schoen verloren aus - Wie ein Spielzeugauto.

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