Renault 8 Gordini: Französische Pistensau der 60er

Der Gordini R8 vermittelt Fahrspaß pur.

Renault belebt mit dem Twingo Gordini RS eine Legende aus den 60ern wieder. Was den Deutschen der NSU TT, war den Franzosen der Renault 8 Gordini. Noch heute kann man es mit der kleinen Pistensau so richtig krachen lassen.

Nein, dieses Auto ist wirklich nicht für große Piloten gebaut. Eingezwängt zwischen Lenkrad und Überrollbügel hockt man auf dem Sitz, die Füße balgen sich um das Bisschen Platz zwischen den Pedalen. Wenn man den Schalthebel erreichen will, muss sich die Hand fast unter dem rechten Knie hindurch tasten. Bei jedem Gasstoß faucht der Vierzylinder im Heck gierig vor sich hin, alle Instrumentennadeln zittern um die Wette, und das knüppelharte Fahrwerk gibt jede Bodenwelle an den Piloten wieder. 

Der Gordini bietet Fahrspaß vom Feinsten

Das alles aber zählt nicht, denn schon nach ein paar Kilometern sind die Mundwinkel im Dauergrinsen eingerastet. Der Renault 8 Gordini bietet Fahrspaß vom Feinsten. Sobald man sich an die Fünfgangschaltung mit ihren ellenlangen Wegen gewöhnt, hat man nur noch die engen Landstraßen der Eifel im Blick, über die das 780 Kilo leichte Heckmotor-Limousinchen so spielerisch wie eine Ballerina tänzelt.

Im Heck toben 125 PS
 
Zugegeben - der Besitzer hat bei seinem R8 Gordini ein wenig nachgeholfen. Werner Schäfer aus Nohn in der Eifel ist nicht nur als "Alpine-Papst" bekannt, sondern hat sich als Renault-Händler und Restaurator einen Namen für alle Old- und Youngtimer der Marke mit dem Rhombus am Kühler gemacht. Sein R8 Gordini aus dem Jahr 1971 rollt auf dicken Schlappen über 13-Zoll-Rädern, deren stark negativer Sturz den Wagen am Asphalt kleben lässt wie Spiderman an der Hauswand. Im Heck toben sich 125 Pferdestärken aus, fast soviel wie im neuen Renault Twingo Gordini RS. Schäfers blauer Rennzwerg hat sich schon bei Rallyes wie der Histo-Monte erfolgreich geschlagen. "So ein Gordini bringt ihnen mehr Sympathien ein, als wenn sie mit einem Porsche anrollen", sagt Schäfer. 

Gordini stand bei Renault für erschwingliche Sportler

Alpine und Gordini - diese beiden Namen haben bei Renault-Fans einen Klang wie Donnerhall. Die Alpine ist bis heute der wohl bekannteste Rallye-Flitzer der Franzosen. Gordini jedoch steht nicht nur für Sportwagen, sondern auch für ganz normale Familienlimousinen, aus deren Schafspelz Renault blaue Wölfe schneiderte. Der Renault 8 ist der bekannteste Gordini-Renner, doch auch die brave Familienkutsche Renault 12 wurde zur Sportversion aufgeputscht. Und während andere Haustuner wie AMG eher für Kunden mit gut gefüllter Brieftasche entwickelten, stand Gordini für erschwingliche Sportversionen.

Blauer Lack als Markenzeichen

Der Vater der schnellen Franzosen war Amédée Gordini, ein französischer Konstrukteur italienischer Abstammung. Er entwickelte auch Fahrzeuge für die Formel 1, konnte sich mit seinen Motoren aber gegen die großen Werksteams nie so recht durchsetzen. Bei Renault hatte er mehr Glück. Das Markenzeichen der Gordini-Renaults war die blaue Lackierung im Farbton "Bleu France", meist ergänzt durch weiße Rallyestreifen. Die Partnerschaft mit Renault begann mit der Dauphine, einer 1956 eingeführten Heckmotor-Limousine. Schon bei der Mille Miglia 1957 und der Rallye Monte Carlo 1958 fuhr die Dauphine Siege ein. Mit 37 PS waren immerhin 127 Km/h drin. Später folgt eine Version mit 40 PS und Scheibenbremsen rundum.

Der Renault 8 diente vielen Rennfahrern als Einstiegsmodell
 
Der Renault 8 Gordini kam 1964 auf den Markt. Die ersten Versionen mussten mit 1,1 Litern Hubraum auskommen, später wurden die Zylinder auf 1.255 Kubikzentimeter aufgebohrt. In den 60er Jahren gehörte der leichte Heckmotor-Zwerg mit 86 bis 88 PS zu den ganz Schnellen, konnte mit 175 Km/h so manchem Sportwagen auf die Pelle rücken. Ungewöhnlich im Kompaktautosegment war auch die Tatsache, dass der Gordini über ein Fünfgang-Getriebe verfügte. Von seinen Fans "Gorde" genannt, belegte der kantige Flitzer bei der Rallye Tour de Corse die Plätze eins, drei, vier und fünf. 1966 richtete Renault mit dem Coupe Gordini einen eigenen Markenpokal ein. Die Fahrzeuge mussten der Serie entsprechen, lediglich ein Sportlenkrad, eine Öldruckanzeige und härtere Stoßdämpfer waren erlaubt. Viele Nachwuchs-Rennfahrer zogen mit ihrem "Gorde" durchs Land und verdienten sich in der flotten Kiste, die nicht selten auch als Schlafplatz für die Nächte zwischen den Renntagen diente, ihre Sporen.

Twingo als Gordini der Neuzeit
 
Im kommenden Jahr schickt Renault den Twingo Gordini RS auf die Straße. Statt Heckantrieb gibt es zwar Frontmotor mit Frontantrieb, und mehr Power als die 133 PS starke Sport-Version des Twingo hat der Wagen auch nicht. Doch wie beim R8 von damals gibt es das blau-weiße Farbschema, eine krawallige Optik und viel Gordini-Zubehör. "Ich denke schon, dass sich das gut vermarkten lässt", sagt Renault-Händler Schäfer, "aber das geht nicht nur mit Lack. In dieses Auto muss Dampf rein", fordert er. Und einen Traum hat Werner Schäfer bis heute: "Es wäre schon toll, wenn es irgendwann eine neue Alpine gäbe".

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Sebastian Viehmann

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