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sport auto-Zeitschrift 08-2010

ADAC GT Masters Saisonbilanz nach 3. Lauf

Der Audi R8 bringt Unruhe in die Serie

Der Einstieg von Audi in die ADAC GT Masters-Serie ist für die Szene ein wenig wie Fluch und Segen zugleich: Ohne Audi wäre das Starterfeld dünn, aber weil der R8 bei der Performance drückend überlegen ist, wächst die Kritik bei den GT3-Teams.


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Foto: ADAC GT Masters

Auf der Rennstrecke konnte bisher nur die Callaway-Corvette von Ernst Wöhr gegen die Audi-Phalanx siegen.

Auf der Rennstrecke konnte bisher nur die Callaway-Corvette von Ernst Wöhr gegen die Audi-Phalanx siegen.

Im Mikrokosmos des Motorsports teilt sich die Fahrerlager-Meute stets in zwei Parteien: die Zufriedenen und die Unzufriedenen. Die Sieger sind meist happy - und die Verlierer immer kreuzunglücklich. Und dazwischen steht der Serienorganisator als Mittler zwischen den Fronten und muss die Kontroversen ausfedern. Genau diese Konstellation gilt auch für das deutsche GT-Championat.

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Einstufungen der GT3-Autos fraglich
 
Bei der dritten Veranstaltung der ADAC GT Masters in Hockenheim schien für Christian Abt und Jan Seyffarth die Sonne, im Auto und auch außerhalb. Mit einem Sieg am Sonntag baute das Duo die Meisterschaftsführung aus. "Mir gefällt die GT-Serie - alles super relaxt und unverkrampft hier", lobte Christian Abt. Auch als das Gespräch auf die eher heiklen Themen wie Balance of Performance kam, antwortete Abt-Fahrzeugingenieur Alex Stehlig charmant: "Die FIA macht bei den Einstufungen der verschiedenen Autos in der GT3-Klasse einen guten Job. Die sind hart in der Sache, aber absolut fair." Zwar empfindet Pilot Christian Abt das Leergewicht von 1.370 Kilogramm für seinen R8 als zu hoch, aber sein Fazit fällt positiv aus: "Wir können das Tempo an der Spitze mitgehen, nur das zählt."
 
Da hatte Christian Abt dann doch etwas geflunkert: Audi gewann die letzten vier Saisonrennen der ADAC GT Masters in Assen und in Hockenheim allesamt in ziemlich überlegener Manier. Nur beim Saisonauftakt in Oschersleben konnte die Corvette von Callaway Competition mit einem Doppelsieg dagegenhalten. Doch damals, Anfang April, steckte der Audi R8 noch in den Kinderschuhen seiner Entwicklung. Das Auto lag nicht besonders gut, obendrein wollte man die Regelwächter nicht zu einer Neueinstufung provozieren - schließlich sollte der Audi R8 ja auch am Nürburgring beim 24h-Rennen ohne allzu große Beschneidungen laufen.
 
Audi R8 bleibt vor dem Feld
 
Was den Audi-Gegnern in der deutschen GT-Meisterschaft aufstößt, ist die Geschwindigkeit, mit der Audi die Messlatte im GT3-Feld angehoben hat. In Hockenheim sahen die Gegner kein Land. Im ersten Rennen unter trockenen Bedingungen distanzierten die beiden Top-Audi den Ford GT auf Platz drei um fast 18 Sekunden, im verregneten Lauf am Sonntag belegte der Mühlner-Porsche hinter zwei Audi R8 mit fast 22 Sekunden Rückstand Platz drei. "Im letzten Jahr waren die GT-Rennen viel spannender, das Feld lag dichter zusammen", so der einzige Porsche-Teamchef im GT-Masters-Feld, Bernhard Mühlner.


Ausreißer werden von der FIA eingebremst
 
Serienorganisator Jürgen Barth verweist darauf, dass es auch in den Vorjahren Ausreißer wie den Matech Ford gegeben habe, die dann von der FIA wieder eingefangen wurden. Mühlner, dessen Piloten Tim Bergmeister und Frank Schmickler mit 14 Punkten Rückstand auf das Abt-Duo Abt und Seyffarth Platz vier in der Punktetabelle belegen, ist sich nicht sicher, ob das auch 2009 gelingen wird. Der Grund sind gewisse Sündenfälle der FIA zu Saisonbeginn: Bei den Einstufungstests der GT3-Meisterschaft war Audi schnell, woraufhin die FIA Restriktionen für den Saisonstart der GT3-EM in Silverstone aussprach.
 
Darunter auch ein Drehzahllimit für den V10-Motor des Audi von 7.500/min. Erst nach dem Rennen in England wurde den gegnerischen Teams klar, dass nach Intervention von Audi die Beschränkung wieder aufgehoben worden war. Damit war ein gewisses Misstrauen gesät, die Büchse der Pandora geöffnet. Die Audi-Kritiker im Fahrerlager verstehen die FIA-Politik nicht mehr, weil ja gerade GT3-Erfinder Stéphane Ratel immer vor Werkseinsätzen in dieser seriennahen Klasse gewarnt hatte und selbst als gebranntes Kind im Umgang mit Werken gelten darf. "Die Balance im GT3-Feld hat so lange gestimmt, bis Audi kam", findet auch Corvette-Konstrukteur Ernst Wöhr.
 
Serie für private Konstrukteure
 
Die Serie sei für private Konstrukteure konzipiert worden, nicht für Hersteller, die mit verkappten Werkseinsätzen auf Kundenfang gingen. Warum die FIA Audi im Moment noch gewähren lässt, ist unklar. Nicht wenige im Fahrerlager glauben, dass Ratel Audi vom Einstieg in die GT1-Klasse überzeugen will. Ratel sucht für seine GT1-WM händeringend Hersteller, die am großen Rad mitdrehen. Auch wenn die Gegner über die aktuelle Audi-Dominanz fluchen, so sehen sie auch die positiven Effekte: „Ohne Audi wären in Hockenheim nur 12 Autos am
Start gestanden, das ist mal Fakt“, so die einfache Rechnung von Bernhard Mühlner.
 
Eine Premium-Marke wie Audi bringt zudem Aufmerksamkeit beim Publikum und bei den Medien. "Die FIA wird die korrekte Einstufung für den Audi finden", ist sich Serienpromoter Jürgen Barth sicher. Er sieht sein deutsches GT-Championat gut aufgestellt: "Trotz Wirtschaftskrise hatten wir in Hockenheim 19 Autos am Start - mehr als in den meisten anderen nationalen GT-Serien. Zudem starteten dort acht verschiedene Marken." Die Einstufungen der FIA sind generell immer wieder ein großes Gesprächsthema im GT-Masters-Fahrerlager. Exemplarisch sei der Fall von Ernst Wöhr genannt, der seit 2006 die Corvette-Fahne hochhält und mittlerweile 16 Z06-Rennwagen verkaufen konnte.

Corvette hat eine Einstufung von 2005
 
Wöhr ist inzwischen der Verzweiflung nahe. Seine Geschichte erhellt die - freundlich ausgedrückt - Komplexität des Balance of Performance-Systems. Im Prinzip fahren seine Corvette-Rennwagen mit einer Einstufung aus dem Jahr 2005. "Die einzige für die Performance relevante Veränderung der letzten Jahre war das sequenzielle Getriebe", erklärt Ernst Wöhr. Doch die GT3-Klasse hat sich bei der Leistungsdichte stark gewandelt, nicht zuletzt auch wegen Audi. Daher wollte Wöhr über den Winter nachrüsten, mit einer neuen Aerodynamik, einem größeren Frontsplitter, den sogenannten Trittbrettern an der Fahrzeugflanke, um den seitlichen Lufteintritt in Richtung Unterboden zu unterbinden. Dazu sollten ein ABS-System nachhomologiert und die Abgasanlage samt Fächerkrümmer und Schalldämpfer modifiziert werden. Auch ein neues Differenzialgehäuse war geplant.
 
Die FIA lehnte alle Homologationsanträge von Wöhr ab, mit der Begründung, dass Corvette 2008 die EM-Fahrerwertung gewonnen habe. Ergo bräuchten die Frontmotor-Rennwagen keine Performance-Verbesserungen, obwohl Wöhr als Kompensation von sich aus einen Restriktor für den V8-Motor der Corvette vorschlug. Unglaublich aber wahr: Die Corvette fährt bis heute mit nur einer einzigen homologierten Vorderachsfeder. Gleichzeitig änderte die FIA aber für 2009 das Reifenreglement. Für die Michelin-Kunden steht nun neben der harten auch eine softe Mischung parat. "Doch ohne ein anderes Differenzial und neue Federn können wir unser Auto auf diese Mischung gar nicht abstimmen", versichert Wöhr. Der weiche Reifen ist zwar pro Runde eine Sekunde schneller, geht aber nach einer halben Stunde in die Knie.
 
Und die Geschichte hört hier keineswegs auf. Die Einstufungen der FIA basieren auf den Testfahrten mit den EM-Reifen für 2009. Bei den GT Masters werden diese Fahrzeugeinstufungen der FIA eins zu eins übernommen. Doch in Deutschland fahren die Teams mit den harten Michelin-Reifen aus der GT3-EM von 2008 - das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.
 
Forderung nach klaren Regeln für die Zukunft
 
Porsche-Teamchef Bernhard Mühlner, im Herzen ein strammer Verfechter des GT3-Konzepts, fordert mehr Mut bei der FIA und klare Regeln für die Zukunft: "Die GT3-Klasse kann nur dann überleben, wenn entweder nur private Konstrukteure zugelassen werden oder die Hersteller sich nur sehr indirekt über Kundensportprogramme engagieren. Reinrassige Werkseinsätze wie jetzt von Audi sprengen das Balance of Performance-System - einfach weil die Unterschiede zu groß sind."
 
Während Bernhard Mühlner weiter auf eine Neueinstufung für den Audi R8 LMS wartet, spricht er vorläufig von der A-Wertung und der B-Wertung bei den ADAC GT Masters. "A steht dabei für Audi", so Mühlner. Unzufriedenheit kann also auch mit Witz gepaart werden.

ADAC GT Masters Termine 2009
Datum Strecke
11.04.- 13.04.2009 Oschersleben (D)
08.05.- 10.05.2009 Assen (NL)
05.06.- 07.06.2009 Hockenheim (D)
03.07.- 05.07.2009 EuroSpeedway (D)
21.08.- 23.08.2009 Nürburgring (D)
18.09.- 20.09.2009 Sachsenring (D)
16.10.- 18.10.2009 Oschersleben (D)
Autor: Marcus Schurig
racerspics racerspics » 17.08.2009, 01:18 Uhr  #1

Die Performance des Audi R8 war ja recht deutlich in Spa zu erleben. Über die Distanz konnte er ganz gut mit den neuen GT1 von Nissan und Ford mithalten.

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