Formel 1: Vorschau GP Kanada 2010: Das Comeback des Straßenkurses

Nach einem Jahr Pause kehrt der bei den Fahrern beliebte Straßenkurs Circuit Gilles Villeneuve wieder in den Formel 1-Kalender zurück. Neben dem Duell Red Bull gegen McLaren, könnte sich auch Ferrari in Montreal wieder an der Spitze zurückmelden.

Der Grand Prix von Kanada in der Metropole Montreal gehört zweifelsohne zu den Highlights im Kalender. Es gibt kaum jemanden im Formel 1-Zirkus, der nicht gerne in die Metropole reist. Denn die Stadt macht aus dem Formel 1-Rennen eine einzige Party. Doch dabei darf man das Wesentliche nicht vergessen: das Rennen. Nach dem Desaster von Istanbul wird Red Bull alles daran setzen, die Führung in der Teamwertung von McLaren-Mercedes zurückzuerobern. Aber auch Ferrari sollte man auf der Rechnung haben.

Die Strecke:

Das erste Formel 1-Rennen wurde 1978 auf dem Circuit Gilles Villeneuve ausgerichtet. Der 4,361 Kilometer lange Kurs gehört nach einem Jahr Pause nun wieder zum Programm. Mitten in Montreal liegt der Straßenkurs auf einer Insel namens Ile de Notre Dame umgeben vom Sankt Lorenz-Strom. Die Kanadier sind jedes Mal voll im Formel 1-Fieber - mehr als 100.000 Besucher kommen zu einem GP Wochenende.

Dabei bekommen sie meist auch einiges geboten. Denn die nah am Asphaltband liegenden Mauern warten geradezu auf Einschläge. Auch die erste Kurve nach der Start-Ziel-Geraden ist knifflig und ruft nach dem Start oft Unfälle hervor. Das Safety-Car gehört schon fast zum Standard. Insgesamt zeichnet sich die Strecke durch den Mix aus langen Geraden und langsamen Kurven aus. Deshalb wird der Circuit Gilles Villeneuve auch oft als Stop-and-Go Strecke bezeichnet. An vier Stellen bremsen die Fahrer von 300 km/h runter auf 120 km/h. Die extreme Belastung der Bremsen ist programmiert. Eine gute Überholmöglichkeit ist die Haarnadelkurve vor der letzten langen Geraden. Sie ist gleichzeitig mit rund 56 km/h im ersten Gang die langsamste Kurve.

Das Setup:

Montreal ist wegen der langen Geraden und den langsamen Kurven ein Mix aus Monza und Monaco. Um auf den langen Geraden keine Zeit zu verlieren, fahren die Teams in Kanada mit sehr wenig Abtrieb. Nur in Monza wird mit noch weniger Flügel gearbeitet. Deshalb spielt vor allem das F-Schacht-System wieder eine entscheidende Rolle. Jedes Team, das seinen F-Schacht optimal nutzen kann, wird stark profitieren.

Auf der anderen Seite brauchen die Formel 1-Autos aber auch gute Traktion aus den langsamen Kurven. Eine zusätzliche Herausforderung dabei ist der wellige Asphalt. Deshalb versuchen die Ingenieure mit weicher abgestimmten Radaufhängungen das Auto in Kontakt mit der Straße zu halten. Das Grip-Niveau ist meist anfangs sehr niedrig, weil es sich um einen Straßenkurs und keine permanente Rennstrecke handelt.

Der dritte wichtige Faktor sind die Bremsen. Auf keinem anderen Kurs im Kalender werden die Bremsen so beansprucht wie in Montreal. Mit den vollen Tanks wird die Belastung noch härter als in den vergangenen Jahren. Die flache Flügelstellung und der daraus resultierende reduzierte Luftwiderstand tragen ihr Übriges dazu bei.

Die Favoriten:

Einen eindeutigen Favoriten für das Rennen in Kanada zu bestimmen ist schwierig. Jedes Auto hat seine Vor- und Nachteile. Tendenziell könnte Ferrari in Montreal aber wieder aus der Versenkung auftauchen. Der Ferrari F109 ist sowohl auf den langen Geraden schnell, als auch auf der Bremse und in Sachen Traktion stark. Die dominierenden Akteure in Istanbul, Red Bull und McLaren-Mercedes, haben dagegen jeder sein Päckchen zu tragen. Während McLaren über eine schlechte Traktion verfügt, ist Red Bull auf der Geraden zu langsam. Der F-Schacht könnte McLaren allerdings retten.

Und auch Renault und Mercedes darf man nicht vergessen. Renault könnte wegen des hervorragenden Top-Speeds und weil der R30 gut über Kerbs geht, zum Geheimfavorit werden. Zumal Robert Kubica ein Straßenkurs-Spezialist ist. Der Pole hatte gute wie schlechte Erinnerungen an Kanada. 2007 hatte er einen Horror-Crash, entstieg dem BMW Sauber aber unverletzt. Nur ein Jahr später feierte er in Kanada den ersten Sieg. Mercedes dürfte in Kanada weit besser aussehen als noch in Istanbul.

Experten Meinung: Pedro de la Rosa (Sauber):

"Es ist klasse, dass der Große Preis von Kanada wieder im Kalender ist. Dieses Rennen hat jeder immer genossen, weil es eine gute Atmosphäre hat und oft guten Sport bot. Ich denke, die Streckenführung in Montreal begünstigt spannende Rennen, man kann definitiv sehr gut überholen. Man fährt mit geringerem Abtrieb, und die Strecke hat einen unverwechselbaren Charakter. Dieses Rennen ist eines der härtesten für die Bremsen und beansprucht auch die Motoren stark. Körperlich ist es eher weniger anstrengend."

Rückblick: GP Kanada 2008:

Das Rennen in Montreal hielt 2008 was es versprach. Es ist immer für eine Überraschung gut. Ein Jahr nach seinem schweren Unfall gewann Robert Kubica in Kanada seinen ersten Grand Prix im BMW Sauber und übernahm sogar die WM-Führung. Nick Heidfeld machte den Doppelsieg mit dem zweiten Platz perfekt. Lewis Hamilton crashte dagegen von der Pole Position gestartet am Ende der Boxengasse in den stehenden Ferrari von Räikkönen. Hamilton musste nicht nur die WM-Führung abgeben, als Strafe wurde der Brite zusätzlich für das folgende Rennen in Magny Cours zehn Plätze in der Startaufstellung zurückgestuft.

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