Klassensystem am Nürburgring: Die Fahrzeugvielfalt beim Ring-Kampf

Die BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft beeindruckt mit einer unglaublichen Fahrzeug- und Klassenvielfalt. Die meist über 200 Rennfahrzeuge verteilen sich auf sechs Wertungsgruppen und 35 Hubraumklassen.

Motorsport ist Wettkampf mit technischen Geräten. Schon die daraus abzuleitende Komplexität ist hoch, denn unzählig viele Einflussgrößen bestimmen, wer ein Rennen wie und aus welchem Grund gewinnt oder verliert. Wenn zudem noch extrem viele unterschiedliche Fahrzeuge in einem Rennen gebündelt an den Start gehen, wird es für den Zuschauer schwierig, noch den Überblick zu bewahren.
 
Weltweit einmalige Fahrzeug- und Klassenvielfalt
 
Die enorme Fahrzeug- und Klassenvielfalt der Langstreckenmeisterschaft kann als weltweit einmalig gelten. Der Grund dafür ist simpel - die Streckenkombination aus GP-Piste und Nordschleife misst satte 24,4 Kilometer. Entsprechend viele Fahrzeuge dürfen laut Streckenabnahmeprotokoll am Rennen teilnehmen - im Fall der Langstreckenmeisterschaft deutlich über 200 Rennwagen.

Nahezu alle Ableitungen von Straßenautos sind zugelassen
 
Die beste Lösung, ein solch großes Feld mit Teilnehmern zu füllen, besteht darin, möglichst viele Fahrzeugklassen auszuschreiben. In der Summe bleibt festzustellen: Am Nürburgring dürfen nahezu alle Produktionsrennwagen, die als Tourenwagen oder GT-Autos von einem Straßenauto abgeleitet wurden, an den Start gehen. Einzig Formelautos und reinrassige Prototypen dürfen im Ring-Konzert nicht aufgeigen.
 
Die VLN-Fahrzeuge sind in Wertungsgruppen unterteilt, die darüber Auskunft geben, wie stark sich die Rennwagen von ihrem Ausgangsprodukt, also dem Straßenauto, technisch unterscheiden. Die größte Seriennähe weisen die VLN-Serienwagen auf. Sie verfügen generell nur über die notwendigen Sicherheitseinrichtungen wie beispielsweise einen Überrollkäfig. Bei Motoren, Bremsen oder anderen Performance-Teilen sind meist keine Änderungen erlaubt.
 
Diese seriennahen Fahrzeuge sind in der Langstreckenmeisterschaft besonders beliebt, weil die Einsatzkosten niedrig sind. Mit sieben Hubraumklassen kann nahezu jedes Straßenfahrzeug in dieser Klasse an den Start gehen. Am anderen Ende der Modifikationsskala stehen die Special-Fahrzeuge.
 
Diese Rennwagen - unterteilt in zehn Klassen - sind entweder reinrassige Wettbewerbsfahrzeuge oder stark modifizierte, auf Rohkarosse aufgebaute Rennwagen, die sich in vielen Details vom Straßenauto unterscheiden.
 
Aus den großen Special-Klassen kommen die Gesamtsieger
 
Die hochgestochenen Porsche zum Beispiel starten in der Special-Klasse bis vier Liter Hubraum, also kurz: SP 7. Neu in diesem Jahr sind die Special-Klassen SP 9 für die GT3-Rennfahrzeuge und die SP 10-Klasse für die internationalen GT4-Wagen.
 
Die Special-Fahrzeuge sind optisch leicht an ihren recht beeindruckenden Heckflügeln und den massiven Kotflügelverbreiterungen zu erkennen. Der Vorteil des Special-Reglements besteht darin, dass die Teams je nach Geldbeutel der Fahrer oder Sponsorensituation relativ frei darüber entscheiden können, wie stark sie ihr Rennfahrzeuge in gewissen Grenzen modifizieren. Vor allem für die Privatteams sind die Specials ein guter Kompromiss, denn sie bieten wahres Rennwagenflair zu akzeptablen Betriebskosten.

Eigene Klasse für Dieselfahrzeuge
 
Neben diesen beiden großen Wertungsgruppen gibt es noch Kategorien für Fahrzeuge mit Dieselantrieb, gestaffelt in vier Hubraumklassen. Diese Gruppe hat in den vergangenen Jahren einen großen Zulauf erlebt, einfach weil immer mehr Hersteller sparsame Turbodieselmodelle anbieten, die durchaus tauglich sind für den Motorsport.
 
Dazu können auch sehr spezielle Fahrzeuge in das Reglement integriert werden wie beispielsweise der Ex-DTM Opel Astra des Schall-Teams. Weil ein DTM-Auto wenig mit einem Straßenauto zu tun hat, muss der Schall-Astra in der Experimental-Klasse (E1-XP) antreten. Dazu kommt eine Sonderkategorie für Fahrzeuge bis Baujahr 1996, die sogenannten Gruppe H-Rennwagen.
 
Klasse für Markenpokal-Rennwagen
 
Eine wichtige Rolle spielen schließlich die Markenpokal-Rennwagen, für die die Langstreckenmeisterschaft spezielle Klassen zugeschnitten hat, damit diese Autos mit geringen Umbaumaßnahmen am Ring starten können.
 
Hier fahren sowohl die Porsche Carrera Cup-Wagen, die Renault Clio-Cupautos und die seriennahen Honda Civic Type-R. Diese Markenpokalklassen erfreuen sich großer Beliebtheit, weil alle Teilnehmer mit identischem Fahrzeugmaterial gegeneinander antreten. Entsprechend eng und turbulent gestaltet sich daher oft das Renngeschehen.

Punktesystem kürt den Ring-Meister
 
Damit alle Teilnehmer trotz der großen Unterschiede beim Fahrzeugmaterial zu ihrem Recht kommen, wird der Ring-Meister mit Hilfe eines raffinierten Punktesystems gekürt. Während die dicken Brummer primär um den Gesamtsieg fighten, geht die Meisterschaft meist an Teams aus den kleinen Hubraumklassen. Der Grund: In den kleinen Klassen treten mehr Fahrzeuge gegeneinander an.
 
Je mehr Gegner man in der Klasse besiegt, desto mehr Punkte gibt es für die Meisterschaftswertung. Daher kamen die Titelträger in den letzten Jahren immer aus den zwei großen Wertungsgruppen der Special-Fahrzeuge oder der VLN-Serienwagen. Die hohe Komplexität von Reglement und Punktesystem schafft damit einen gesunden Ausgleich zwischen den Fahrzeugkonzepten.

VLN-Termine 2009
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Marcus  Schurig

Autor:

SPORT AUTO, Heft 6 / 2009

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