VLN Sechs-Stunden-Rennen: Sechs Richtige beim Saison-Höhepunkt

VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring

Das Sechs-Stunden-Rennen wurde seinem Ruf als Glanzlicht der Langstreckenmeisterschaft wieder einmal gerecht: Zwar war das in dieser Saison allgegenwärtige Duell Audi gegen Porsche vorzeitig beendet, doch der Manthey-interne Dreikampf um den Sieg bot den über 20.000 Fans rund um die Nordschleife eine nicht minder unterhaltsame Show.

Beim Sechs-Stunden-Rennen war die Teilnehmerzahl mit 186 Autos im Training wieder auf das VLN-Garde-Maß angestiegen. Die beiden vorangegangenen Rennen blieben mit jeweils 160 Fahrzeugen hinter den Erwartungen zurück. Der Grund hierfür liegt nahe: Drei Rennen innerhalb von fünf Wochen sind für eine Breitensportserie harter Tobak. Hinzu kamen die Sommerferien in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die einen Teil der ambitionierten Hobbyrennfahrer zu einer Pause zwangen. Allerdings haben die Betreiber des Nürburgrings schon jetzt signalisiert, der VLN in der kommenden Saison einen ausgewogeneren Terminplan zuzusichern.

Beim Sechs-Stunden-Rennen sicherte sich das Manthey-Team die ersten drei Plätze

Nach sechs Stunden überquerte Lance David Arnold im Haribo-Porsche von Manthey-Racing als Sieger die Ziellinie und sicherte sich und seinem Mitstreiter Christian Menzel einen Platz in den Nürburgring-Geschichtsbüchern. Dem Duo war mit 42 Runden und einer zurückgelegten Distanz von 1.023,498 Kilometern ein wahres Kunststück gelungen. Noch nie zuvor in der 83-jährigen Geschichte des Nürburgrings war bei einem Sechs-Stunden-Rennen für Tourenwagen und GT die 1.000-Kilometer-Marke geknackt worden. Zudem feierte das Manthey-Team - auf den Positionen zwei und drei vertreten durch Arno Klasen, Timo Bernhard und Christian Hohenadel sowie Armin Hahne, Mark Gindorf und Jochen Krumbach - den ersten Dreifacherfolg in der Geschichte der Langstreckenmeisterschaft.

Im Anschluss an die Siegerehrung strahlte Olaf Manthey, der nun ohne jeden Zweifel das erfolgreichste Team der populärsten Breitensportserie Europas stellt. Ob die Freude auch in der Nacht auf Sonntag angehalten hat, ist nicht überliefert. Denn die beiden siegreichen Porsche 911 GT3 R wurden unmittelbar aus dem Parc Fermé auf Abschleppwagen verladen, um sie einer technischen Nachuntersuchung zu unterziehen. Normalerweise werden in der VLN die Serienwagen auf dem Prüfstand bei Manthey-Racing in Meuspath untersucht. Um allen Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte die VLN in der Woche vor dem Rennen per Bulletin einen weiteren Prüfstand - bei Boemanns in Müllenbach - in die offizielle Referenzliste aufgenommen.

Die Meldung von den VLN-Technikern kam in den frühen Morgenstunden: keine Beanstandungen in Sachen Leistung, Gewicht und Tankvolumen. Gleiches galt für drei weitere Fahrzeuge, die stichprobenartig unter die Lupe genommen wurden. Auch die Cup-Porsche von Land-Motorsport und Weiland sowie der Audi TTS von Raeder-Motorsport wiesen keinerlei Abweichungen vom Reglement auf. Die Untersuchung auf dem Prüfstand unterstreicht, was ausgemachte Experten dem VLN-Reglement schon lange zugestanden haben: eine gute Balance.

Audi würde ein Schwesterfahrzeug theoretisch helfen

Dies zeigte sich auch beim Zeittraining zum Sechs-Stunden-Rennen. Arnold sicherte sich mit einer Zeit von 8:08,609 Minuten die Pole Position. Nur hauchdünne 0,631 Sekunden dahinter positionierte Frank Stippler den Audi R8 LMS auf Platz zwei. Die ersten elf Teams blieben innerhalb von 20 Sekunden - darunter die Dodge Viper vom Team Mintgen-Motorsport auf Platz sieben und der BMW Z4 GT3 von Schubert Motorsport auf Position acht. Der Audi R8 LMS schied nach sieben Runden aus. Frank Stippler war mit einem zu überrundenden Fahrzeug kollidiert, wobei sich die Spur des Ingolstädter Supersportlers verzogen hatte. Auch der Schubert-BMW war von der Rennperformance her noch nicht konkurrenzfähig. Das vorzeitige Aus kam in Runde 24 nach einem technischen Defekt.

An der Spitze blieb jenes Team übrig, welches ohne Zweifel über die meiste Nordschleifenerfahrung verfügt und zudem mit dem Porsche 911 auf ausgereifte Technik setzt: Manthey Racing. Die Mitstreiter müssen sich an die eigene Nase fassen und alles daran setzen, den Erfahrungsrückstand auszugleichen. Audi würde vielleicht ein gut besetztes Schwesterfahrzeug zumindest theoretisch helfen - denn so würden sich die Chancen auf eine Top-Platzierung gleichsam verdoppeln.

Interessante Dinge tun sich derweil in den kleinen Klassen. Die in der SP3 (VLN-Specials bis 2.000 cm3 Hubraum) eingebürgerten Renault Clio Cup verbuchen immer mehr Zulauf. Nicht weniger als 22 Kompaktsportler waren beim Sechs-Stunden-Rennen mit von der Partie. Die Klasse ist momentan im Schnitt mit 27 Wagen stark besetzt. Doch die ehemalige Meisterklasse SP3 könnte kommendes Jahr - wenn Renault wie angestrebt eine eigene Cup-Klasse zugesprochen bekommt - zu einem Randschauplatz werden. Diese Tatsache vor Augen, wechselten Jürgen und Heinz-Otto Fritzsche, die heuer in der Meisterschaft keine Rolle mehr spielen, pünktlich zum Sechs-Stunden-Rennen die Klasse.

VLN-Termine 2010

Mercedes SLS AMG GT3 feiert seine Premiere

Die Kissling-Mannschaft verpasste dem Zwei-Liter-Astra innerhalb von nur wenigen Tagen ein Turbo-Aggregat und nannte das erfolgreiche Brüderpaar in der Klasse SP3T (VLN-Specials bis 2.000 cm3 Hubraum mit Turbo). Hier tummeln sich im Schnitt 16 Fahrzeuge, Tendenz weiter steigend. Ein Manko dieser Klasse sei jedoch nicht verschwiegen: Auch wenn hier in den kommenden Jahren weiter die Post abgehen wird - die Übermacht des Audi TTS von Raeder-Motorsport ist im Moment schier erdrückend. Und das - wie oben bereits erwähnt - vollkommen reglementkonform. Die Piloten Christoph Breuer, Elmar Deegener und Jürgen Wohlfahrt brechen fast in jedem Rennen ihre Rundenrekorde.

Den aktuellen Bestwert hat das Trio beim sechsten Lauf im Training erzielt: 8:48,746 Minuten. Es fehlt also nur noch rund eine Sekunde auf den Fronttriebler-Bestwert des Werks-Scirocco (8:47,337 Minuten), der im April beim Vier-Stunden-Rennen von Nasser Al Attiyah, Peter Terting und Nicki Thiim aufgestellt wurde. Was die diesjährige Gesamtwertung betrifft, ist Black Falcon wieder auf dem Vormarsch. Das Meister-Team der vergangenen zwei Jahre hat mit einem Wechsel in die Klasse V5 (VLN-Serienwagen bis 3.000 cm3 Hubraum) das Trio Alexander Böhm, Carsten Knechtges und Philipp Leisen in eine optimale Ausgangsposition manövriert.

Auf drei Klassensiege im kleinen BMW 325 folgten nun drei Siege in Folge mit dem BMW Z4 bei durchschnittlich zwölf Startern in der V5-Klasse. Der Vorsprung auf das Raeder-Trio Breuer, Deegener und Wohlfahrt - die ihrerseits fünf Siege einfuhren - beträgt 2,38 Punkte. Noch Chancen auf den Titel haben auch Mario Merten und Wolf Silvester, die im Bonk BMW Z3 in der SP3 am Start sind. Das Duo errang zwar nur drei Siege - doch bei im Schnitt 27 Autos ist hier sogar ein zweiter Platz fast Gold wert. Mit Spannung blickt die Langstreckengemeinde auf den 25. September, wenn das letzte Saisondrittel der Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring eingeläutet wird. Nach der achtwöchigen Sommerpause steht dann nicht nur die heiße Phase im Kampf um die Meisterschaft an - sondern auch die Rennpremiere des mit großer Spannung erwarteten Mercedes SLS AMG GT3.

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Paul Kuhn

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SPORT AUTO, Heft 9 / 2010

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