VLN-Status nach den ersten beiden Läufen: Favoriten-Prognose nach den Auftaktrennen

VLN 2.Lauf Langstreckenmeisterschaft Nürburgring 10-04-2010

Masse und Klasse, Spitzensport und Breitensport - das ist nur in der VLN kein Widerspruch. Die Langstreckenmeisterschaft zieht auch nach 34 Jahren Hobbypiloten und Werksteams an: 255 Teams haben sich für die Saison 2010 eingeschrieben. Wer zählt zu den Favoriten?

255 Teams haben die Option auf eine so genannte Volleinschreibung für alle zehn Saisonrennen genutzt - 15 mehr als im Jahr eins der Wirtschaftskrise 2009. Darunter übrigens auch fast alle werksunterstützten Teams, die Audi, BMW oder Porsche einsetzen. Niemand schreibt sich für eine volle Saison ein, wenn er nur drei Testläufe vor dem 24h-Rennen bestreiten will. Die Fans können sich also die Hände reiben, ob sie nun ihre Fahnen für den BMW M3 aus der ALMS oder den Porsche GT Hybrid schwenken.

Und wem werden wir zur VLN-Meisterschaft gratulieren, Ende Oktober, wenn wieder der kalte Wind durch die Eifel pfeift und alle husten? Wer die meisten Gegner hat, bekommt für Siege auch die meisten Punkte. Da fallen einem im Moment zwei Klassen ein, die beide mit zwei Liter Hubraum eher knausern. Die eine Motorsorte bläst, die andere saugt. Oder in der korrekten VLN-Diktion: die Special-Klasse 3 bis zwei Liter Hubraum und Special Klasse 3T, also mit Aufladung. Beim zweiten VLN-Rennen hatten die Sauger das bessere Ende für sich - 31 Starter, da lacht das Punktekonto. Bei den Turbos zwitscherten aber auch 21 Wagen um die Wette. So lange Volkswagen Motorsport zu Hause bleibt, hat Nicky Raeder die Turbo-Klasse im Griff. Schon sein alter Audi A3 galt Porsche-Tretern als ganz unangenehmer Geselle. Bestzeit 2009: 8.55 Minuten.

Neuer Audi TT RS mit 350 PS und Frontantrieb

Alle Erkenntnisse flossen in den Aufbau eines neuen Audi TT RS, der zeigt, wie wenig überkandidelt das Reglement heute ist: Der schwarze Wagen darf 1.100 Kilo wiegen, der Motor ist absolut Serie, ebenso das Doppelkupplungsgetriebe. Die 350 PS reichen im Moment für Rundenzeiten von knapp über neun Minuten. Der komplizierte Allradantrieb mit Haldexkupplung flog raus: „Die Vorderräder haben keine Probleme mit der Leistung“, erklärt Raeder. Beim ersten Renneinsatz gab es gleich einen Klassensieg zum Einstand. Und weil die Neun-Wagen-Flotte der Seat Leon-Treter dafür votierte, in der SP3T-Klasse anzutreten anstatt in der Seat Endurance Challenge, ist Punktesegen weiterhin garantiert.

BMW Z4 Coupé mit V6 aus der Tourenwagen-WM

Ganz ähnlich die Konstellation in der Saugerklasse bis zwei Liter Hubraum: Beim zweiten VLN-Lauf ratterten 19 Renault-Kraftwürfel durch die Eifel, alle in der SP3-Klasse genannt. Und gar nicht weit weg vom Schuss, wie die zwei Podestplatzierungen der Berliner Olivo Jannik und Jurek Elmar bewiesen. Die Renault Clio- Schwemme kam unerwartet. „Ich bin fast vom Hocker gefallen, als ich die Nennliste sah“, so der nimmermüde Renault-Sportchef Bernd Hütter. Vielleicht fährt ja sogar ein Renault Clio um die Meisterschaft mit, wer weiß? Doch die Klasse ist hart. Bonk Motorsport stieg tief in die Technikküche hinab und kam mit einem sonderbaren Mix zurück: Ein BMW Z4 Coupé mit Zwei-Liter-Technik aus der Tourenwagen-WM von anno dazumal - will sagen, mit dem alten Sechszylindermotor. Aber mit Mario Merten und Wolf Silvester kurbeln zwei Brenner am Lenkrad. Der Klassensieg beim ersten Lauf sprach Bände, im zweiten Rennen wurde mit Position zwei nachgedoppelt.

Honda S2000 von Mathol Racing mit schnellster Rundenzeit

Im Teich der Schnellsten wütet übrigens auch noch der wüste Honda S2000 von Mathol Racing, der beim zweiten Rennen mit 9.14 Minuten die schnellste Rundenzeit markierte. Die Klasse ist wirklich hart, da werden die Außenspiegel das Fliegen lernen. Das Feld überfliegen wollen auch die Fritzsche-Zwillinge: Der Kissling-Astra in Leuchtorange ist zwar keine Schönheit geworden, aber er soll schneller sein. Und nur das zählt. Der klobige Aero-Kit mit breiterer Spur soll für eine bessere Abstützung bei Kurvenfahrt sorgen. „Um das umzusetzen, musst du aber in den Kurven furchtbar reinhalten“, sagt Heinz- Otto Fritzsche. „Viele Kurven gehen jetzt einen Gang höher, das ist gewöhnungsbedürftig.“

Zwar ist der Breitbau-Bomber kein Busenfreund des Topspeeds, doch die rustikale Kurvenstärke soll das Rundenzeitenplateau auf unter 9.10 Minuten abschmelzen. Ob das zum Titel reicht? „Sicher nicht“, so die glatte Antwort von Fritzsche. Der knapp 270 PS starke Motor soll durch eine neue Elektronik - nein, eben nicht Leistung zulegen, sondern Sprit hamstern. „Bisher müssen wir immer kurz vor Schluss ein paar Liter nachkippen. Unsere Renndistanz beträgt in aller Regel 26 Runden. Wir schaffen nur zwölf Runden mit einer Tankfüllung. Uns fehlen nur 0,2 bis 0,3 Liter pro Runde, um den letzten Boxenstopp zu sparen“, so Heinz-Otto Fritzsche. Oder sagte das der Jürgen? Die eineiigen Zwillinge sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Glücklicherweise sitzen sie aber im gleichen Auto. Deshalb stimmen die Zitate.

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Marcus Schurig

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