Ein neues Technikreglement eicht die Uhren für die Topteams bei der Langstreckenmeisterschaft und dem 24h-Rennen Nürburgring. Wird dadurch die GT3- zur Königsklasse?
Der Technikausschuss hat es jedoch nicht nur dabei belassen, die Gegner aus den Klassen SP6, SP7 und SP8 gegeneinander auszutarieren, sondern er hat für eine neue Klasse das Tor zur Gesamtsiegfähigkeit aufgestoßen - ab 2009 sind auch die GT3-Rennwagen als SP9-Autos beim 24h-Rennen und bei der Langstreckenmeisterschaft startberechtigt.
Der Clou: Die GT3-Brüller vom Schlage Lamborghini Gallardo, Ferrari F 430, Matech Ford GT oder Corvette Z06 starten so, wie sie nach der Homologation von der FIA eingestuft wurden. Aerodynamik und Restriktorgrößen werden dabei eins zu eins am Nürburgring übernommen. Das hat für die Teams den unabweisbaren Vorteil, dass sie ihre Autos fast ohne Umbaumaßnahmen am Nürburgring einsetzen können. Die einzigen Modifikationen betreffen Details wie die Bodenfreiheit sowie Dämpfung und Federung, um die Fahrzeuge an die speziellen Bedingungen der Nordschleife anpassen zu können.
15 verschiedene Hersteller bieten GT3-Autos an.

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Boom der GT3-Renner am Nürburgring?
Es war kein Hexenwerk, auf diesen Trichter zu kommen: Rundenzeitenvergleiche bei den gemeinsamen Veranstaltungen der FIA GT-Meisterschaft und der GT3-Europameisterschaft belegen, dass die GT3-Wagen auf einigen Rennstrecken den von der Nomenklatur her überlegenen GT2-Wagen ziemlich dicht auf die Pelle rückten. Weil ein GT3-Auto nur halb so viel Geld in der Anschaffung verschlingt wie ein GT2-Auto, leistet der Veranstalter auch noch einen Beitrag zur verbesserten Kostenstruktur.
Und last but not least bieten mittlerweile 15 verschiedene Hersteller GT3-Autos an. Der deutsche Konstrukteur Hans Reiter konnte beispielsweise bisher über 50 GT3-Rennwagen auf Lamborghini-Gallardo-Basis bauen und verkaufen. Die Zulassung der GT3-Wagen war also lange überfällig - warum soll man am Ring nicht vom großen Boom der GT3-Klasse profitieren?
Der Pferdefuß liegt aus Sicht der Kritiker im Detail. Denn ein Teil des Balance of Performance-Systems der FIA sind die Reifen und ihre Härte. Tendenziell überlegene Autos bekommen in der GT3-EM härtere Reifen verpasst. Am Nürburgring sind die Pneus für die GT3-Klasse jedoch freigestellt. Das eröffnet theoretisch die Möglichkeit, GT3-Autos mit Entwicklungsreifen zu bestücken, womit sich das ursprüngliche Einstufungsfenster der FIA aufweichen lässt. Es scheint zudem so, als hätten die GT3-Wagen durch einige Bestimmungen des Regelwerks kleine Vorteile: Sie müssen bei der Schallleistungs-Messung nach LWAVerfahren nicht 132 LWA erreichen wie die SP7- und SP8-Wagen, sondern dürfen mit 135 LWA fahren. Außerdem müssen sie keinen Katalysator verwenden. "Worauf das alles abzielt, kann man offensichtlicher gar nicht darstellen", behauptet Olaf Manthey.
Der Audi R8 LM GT3 als Gefahr
Womit wir beim Thema Audi sind. Denn die größte Gefahr wittern Kritiker beim neuen Audi R8 LM nach GT3-Reglement. Audi will 2009 mit Profi-Teams zum großen Ring-Halali blasen. Der Wagen ist brandneu und muss sich natürlich den FIA-Einstufungstestfahrten stellen wie jedes andere GT3-Auto auch. Doch die Befürchtung besteht, dass der Wagen ähnlich wie der Matech Ford GT im Jahr 2008 zunächst zu gut eingestuft wird.
Da es bis zum 24h-Rennen nur einen GT3-EM-Lauf gibt, könnten die Bayern - so die Befürchtung - teilweise durch das engmaschige FIA-Netz schlüpfen. Diese Verschwörungstheorie wird noch um den böswilligen Verweis bereichert, dass Audi seit Jahren über die Quattro GmbH als Hauptsponsor mit dem 24h-Rennen verflochten ist - ein Schuft, wer Arges dabei kombiniert.
Handicapregelung gibt Veranstalter Spielraum
Die Sportabteilung des ADAC Nordrhein glaubt, ein Kontrollnetz geknüpft zu haben, das nicht so schnell unterlaufen werden kann - alle GT3-Wagen, die im Reglement unter der Bezeichnung SP9 Unterschlupf gefunden haben, müssen vor dem 24h-Rennen mindestens zwei Rennen in der Langstreckenmeisterschaft bestritten haben, damit der Veranstalter anhand des verpflichtenden Datenaufzeichnungssystems die Performance überprüfen kann. Der Veranstalter kann laut Ausschreibung die FIA-Einstufung jederzeit nach Ermessen verändern. Die Handicapregelung kann über die Stellschrauben Ladedruck, Restriktor, Motordrehzahl, Tankdurchflussmenge, Gewicht und Aero-Spezifikation umgesetzt werden.
Gehen wir nun einmal theoretisch davon aus, dass das Regelflechtwerk die SP7- und SP8-Autos gut gegeneinander ausbalanciert hat und dass auf Grund der Vorarbeit der FIA auch die GT3-Rennwagen untereinander auf Augenhöhe kämpfen, so bleibt noch eine Frage offen, an der sich im Moment die Geister scheiden: Sind die GT3-Wagen der SP9-Klasse gegenüber den „alten“ Platzhirschen aus den Klassen SP7 und SP8 im Vorteil? Hat also der Veranstalter das Kind sozusagen mit dem Bade ausgeschüttet und in Form der GT3-Klasse eine neue Königskategorie etabliert? Der ADAC Nordrhein verneint dies: "Die SP7- und SP8-Fahrzeuge werden durch das neue Reglement nicht benachteiligt. Sicher wurde die Vormachtstellung einzelner Fahrzeuge im Sinne der Balance of Performance und eines ausgeglichenen Wettbewerbs beschnitten. Aber die Fahrzeuge der Klassen SP7 und SP8 sind nach wie vor siegfähig."
Das neue Reglement in der Praxis
Olaf Manthey sieht das anders. Und er hat eigentlich keinen Grund, die GT3-Wagen schlechtzureden. Da er für Porsche beim 24h-Rennen den Werkseinsatz vornimmt, kann er sich frei aus der reichen Angebotspalette des Werks bedienen, wo die verschiedensten Restriktormotoren ebenso verfügbar sind wie GT2- und GT3-Versionen des Porsche-Modells 911. Doch Manthey ist bisher der Einzige, der das neue Reglement in der Praxis auf die Nagelprobe gestellt hat. Beim Lauf zur Langstreckenmeisterschaft am 8. November 2008 ließ er seinen SP7-Porsche 911 RSR auf die neuen Bestimmungen umrüsten - und brachte parallel einen Porsche 911 GT3 Cup S nach 2009er Reglement (also SP9 sprich GT3) an den Start. Beide Autos waren aus Gründen der Vergleichbarkeit mit Michelin-Kundenreifen ausgestattet, auf beiden Autos verrichteten Profipiloten die Fahrdienste.
Das Fazit fällt klar zu Gunsten des GT3 aus, und es ist nicht ersichtlich, warum Manthey in diesem Punkt die Resultate türken sollte - ihm kann es ja egal sein, welches GT-Modell er für Porsche einsetzt, zumal er den 24h-Siegerwagen von 2008 bereits verkauft hat. Der Vergleich weist klare Unterschiede aus: Der GT3-Elfer nimmt dem GT2-Brüller bei der Beschleunigung auf der Döttinger Höhe - bei identischem Ausgangsspeed am Galgenkopf - bis zu einer Zehntelsekunde pro 100 Meter ab, sein Topspeed lag um 14 km/h höher als beim RSR. Der RSR nach 2009er Spezifikation war bei der Höchstgeschwindigkeit gegenüber dem alten RSR (Stand 2008) am Ende der Döttinger Höhe um 25 km/h langsamer (zirka 290 km/h zu 265 km/h).
Obwohl die perfekte Vergleichbarkeit durch zusätzliche Boxenstopps wegen wechselnder Witterungsbedingungen nicht gegeben war, errechnete Manthey einen Zeitvorteil des GT3-Elfers von fast vier Minuten - bezogen auf die Renndistanz von vier Stunden. Sollte diese Rechnung stimmen, wäre die Kritik natürlich verständlich, denn dann wären die GT3-Wagen offenbar im Vorteil. Ursprünglich wollte auch BMW unbedingt 2009 am Nürburgring mit dem neuen M3 GT aus der American Le Mans-Serie antreten. Doch trotz der bevorstehenden Homologation in der GT2-S-Klasse in Amerika gibt es bisher nur hinhaltende Äußerungen aus München zum Thema Renneinsatz beim 24h-Rennen.
BMW-Einsatz noch offen
Teilt man dort vielleicht die kritische Einschätzung von Porsche, nach der die GT2-Autos nicht wettbewerbsfähig sind? Ist vielleicht aus diesem Grund der neue M3 nicht in der SP7, sondern in der E1-XP-Klasse eingeteilt, einer Kategorie für Experimentalfahrzeuge? Fakt ist: In der Special-Klasse müsste das Getriebe an der serienmäßigen Position verbleiben, im M3 GT wanderte es jedoch an die Hinterachse. Insider gehen dennoch davon aus, dass sich der Veranstalter und BMW noch im Februar einigen werden - und BMW 2009 in der Langstreckenmeisterschaft sowie beim 24h-Rennen am Nürburgring antritt.
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