Aktion 0-300-0: Porsche GT2

Das große Beschleunigungs- und Bremsduell 0-300-0 km/h kann beginnen: Nachdem die Autos gewaschen und gewogen, die Strecke gegen Nachmittag des ersten Veranstaltungstages auf wundersame Weise doch noch von der anfangs geschlossenen Schneedecke befreit und gar zur Gänze abgetrocknet und die Mannschaft auf Grund der langen Wartezeit im Dunlop-Zelt zu Genüge getränkt und gestärkt war, konnte es losgehen.

Als einer der ersten nahm mit dem Porsche GT2 einer der herausragendsten Supertest-Kandidaten des vergangenen Jahres die ungewohnte Aufgabe auf dem nicht minder ungewohnten Terrain in Angriff - und sorgte sogleich für einen Paukenschlag. Nicht in Bezug auf das Stammtisch-Thema: Im 0-100-Sprint musste sich der mit der Kraft von 530 Pferden antretende, turbobefeuerte Zweisitzer aus Stuttgart-Zuffenhausen mit dem zweiten Rang begnügen.

Hier gebührt der Lorbeerkranz des Erstplatzierten klar dem den Kurzstreckensprint dank einer denkbar einfach und zugleich brillant funktionierenden Startautomatik dominierenden Lamborghini Murciélago. Der 640 PS starke und 1.805 Kilogramm schwere Allradler erreicht aus dem Stand nach 3,3 Sekunden Landstraßentempo. Der gut 300 Kilo leichtere Porsche benötigt für die gleiche Übung 3,7 Sekunden Zeit.

Der Porsche GT2 siegt auf der Bremse

Die Stunde des im Beschleunigungsduell bis 300 km/h mit 36,2 Sekunden insgesamt viertplatzierten GT2 schlägt auf der Bremse: Der brachialen Verzögerung der mit rundum innenbelüfteten und gelochten, vorn 380 und hinten 350 Millimeter durchmessenden Scheiben versehenen Keramikverbund-Bremsanlage des Stuttgarter Supersportlers kann an diesem Tag niemand das Wasser reichen: Als Einziger der angetretenen Probanden kommt der derzeit stärkste Porsche aus 300 km/h in weniger als sieben Sekunden zum Stehen.
 
Mit 6,79 Sekunden, einer mittleren Verzögerungsleistung von 12,06 m/s² und einem denkbar Vertrauen erweckenden weil stoischem Bremsverhalten verdient sich der Porsche in dieser Disziplin Bestnoten. Gegenüber dem in dieser Wertungkategorie schlechtesten Serienauto, dem mit eher durchschnittlichen 10,62 m/s² verzögernden und nach 7,84 Sekunden zum Stillstand kommenden Alpina B6 S, macht der hinterradgetriebene GT2 auf der Bremse aus 300 km/h beachtliche und im Falle eines Falles möglicherweise entscheidende 43,8 Meter gut.

Den bremsenseitig gleichfalls mit einem höchst zupackenden Temperament gesegneten Sportwagen von Lamborghini und GM, dem Murciélago LP 640 und der Corvette Z06, nimmt der GT2 aus 300 km/h bis zum absoluten Stillstand immerhin noch 11,7 beziehungsweise 16,7 Meter ab. Insbesondere in den oberen Geschwindigkeitsbereichen ist die Bremsleistung des Porsche nicht zu toppen: Zwischen 300 und 200 km/h vernichtet der GT2 sensationelle 13,10 m/s². Auch der Lamborghini packt im oberen Speedbereich deutlich erbarmungsloser zu als zwischen 100 und null km/h und verzögert anfangs mit 12,46 m/s². Unten herum beißt die Keramik-Bremse des Italieners dann mit nurmehr 11,02 m/s².

Physikalisch betrachtet macht eine derartige Verzögerungscharakteristik auf Grund der bereits erwähnten Fahrwiderstände durchaus Sinn, weil diese in höheren Geschwindigkeitsregionen naturgemäß stärker zum Tragen kommen. Trotzdem folgt neben dem Porsche und dem Lamborghini einzig noch der Mercedes SLR dem theoretischen Idealverlauf.

Alle anderen mit herkömmlichen Stahl- statt Keramikverbundscheiben ausgerüsteten Autos warten erst zwischen 200 und 100 km/h mit der maximalen Verzögerungsleistung auf, was den Schluss nahelegt, dass die bestmögliche Verzahnung zwischen Belägen und Keramikmaterial zügiger vonstatten geht als die zwischen Bremsbelag und Stahlscheibe. Unterhalb 100 km/h greift dann in jedem Fall der Effekt abnehmender Widerstände.

Unterschiede im Leistungsgewicht

Die sechs in der 300er-Klasse angetretenen Testwagen unterscheiden sich von der Statur her erheblich. Dieser Umstand findet sowohl im optischen Erscheinungsbild als auch im Leistungsgewicht Ausdruck. Während der Koenigsegg CCX katzenhaft geduckt über den Asphalt huscht, gibt der Alpina B6 S aus gutem Grund den selbstbewusst kraftvollen Hünen: Muss er doch mit jeder seiner Pferdestärken 3,43 Kilogramm in Bewegung setzen, wo der Porsche GT2 und der Lamborghini Murciélago es mit jeweils nur 2,82 kg/PS zu tun haben.

Die Corvette Z06 hat mit 2,84 kg/PS kaum schwerer zu tragen, der Mercedes SLR McLaren 722 mit 2,65 kg/PS gar etwas leichter. Und an dem mit einem Rennwagen-gleichen Leistungs-/Gewichtsverhältnis von gerade einmal 1,80 kg/PS gesegneten Schwedensportler namens CCX führt in dieser Hinsicht ohnehin kein Weg vorbei.

Der Porsche 911 GT2 benötigt für 0-300-0 km/h: 43,0 Sekunden.

Beschleunigung:
0-100 km/h: 3,7 s
0-200 km/h: 11,1 s
0-300 km/h: 36,2 s

Verzögerung:

300-0 km/h: 6,8 s

Technische Daten:
Sechszylinder-Boxermotor mit zwei Turboladern,
Hubraum 3.600 cm³,
Leistung 530 PS (390 kW) bei 6.500/min,
Drehmoment 680 Nm bei 2.200/min,
Hinterradantrieb, Sechsganggetriebe,
Gewicht 1.494 kg, Vmax 329 km/h,
Bremsen: innenbelüftete und gelochte
Keramik-Bremsscheiben,
Ø vorn/hinten 380/350 mm,
Bereifung vorn 235/35 ZR 19, hinten 325/30 ZR 19,
Michelin Pilot Sport Cup N0,
Grundpreis 189.496 Euro

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