Langstreckenmeisterschaft und 24h-Rennen Nürburgring: Analyse der Reglementänderungen 2009

Motorsport ist ein komplexer Sport. Solange alle Rennwagen nach einem Reglement konstruiert werden wie in der Formel 1 oder alle Autos bis zur letzten Schraube baugleich sind wie in einem Markenpokal, muss der Veranstalter nur sicherstellen, dass keiner schummelt - eine verhältnismäßig einfache Aufgabe.

Stark überarbeitetes Technikreglement für 2009

Wenn aber verschiedene Fahrzeuge verschiedener Hersteller unter einen Hut gebracht werden müssen wie beispielsweise am Nürburgring beim 24h-Rennen und in der BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft, wird die Aufgabenstellung knifflig und komplex. Schließlich streiten dort Tourenwagen und GT-Autos unterschiedlichster Herkunft um den Gesamtsieg. Für die Saison 2009 wurden die Uhren am Nürburgring nun neu gestellt - ein stark überarbeitetes Technikreglement wird die gewohnte Hackordnung teilweise durcheinanderwirbeln.

Dominanz der Porsche-Fahrzeuge in Gefahr?

Warum ein neues Reglement? Und was waren die Ziele? Erstens sollten das bis zu 220 Wagen starke Teilnehmerfeld harmonisiert und die Geschwindigkeitsdifferenzen geglättet werden. Zu diesem Zweck waren die Topfahrzeuge deutlich einzubremsen die Langsamsten der Langsamen aus dem Feld zu verbannen. Das klingt ein wenig brutal, aber so ist es. Es ist übrigens in diesem Punkt zu unterscheiden zwischen Langstreckenmeisterschaft und 24h-Rennen: Beide Rennserien verwenden das identische Reglement - jedoch schreibt die VLN die kleinen Fahrzeugklassen nach wie vor aus.

Die zweite Stoßrichtung des neuen Reglementansatzes wird zwar nicht so offen kommuniziert, spielte aber trotzdem eine bedeutende Rolle: Die seit Jahren bestehende Dominanz der Porsche-Fahrzeuge an der Spitze aller Nordschleifen-Starterfelder sollte - je nach Blickwinkel - mindestens aufgelockert oder gar gebrochen werden. Dauersieger sind eben unbeliebt. Feiner formuliert: Das neue Reglement sollte mehr Vielfalt an der Spitze ermöglichen.

Günstigere GT3-Rennwagen beim 24h-Rennen

Drittens sollte einer neuen, boomenden und sehr zukunftsträchtigen Kategorie der Zugang zum Ring-Geschehen geöffnet werden, nämlich den vergleichsweise kostengünstigen GT3-Rennwagen, die als nationale SP9-Klasse ins Reglement integriert wurden. Doch offenbar ging es hierbei nicht nur um die generelle Zutrittsmöglichkeit nach dem Motto: Die dürfen auch mitfahren. Stattdessen sind die GT3-Wagen als Jäger auf die bisher etablierten Sieg-Fahrzeuge angesetzt.

Tatsache ist, dass sich das neue Reglement auf der Rennstrecke bewähren muss. Und man wird den Verantwortlichen eine gewisse Zeit einräumen müssen, bis sich alles einspielt. "Das ist fraglos ein Lern- und Übergangsjahr", sagt auch der VLN-Vorsitzende Hans-Jürgen Hilgeland. Feinjustierungen werden unvermeidlich sein, zudem muss sich das komplexe Kontrollsystem erst etablieren. Die Zäsur beim Reglement ist relativ groß, das bestehende Kräfteparallelogramm wird neu installiert, und viele neue Faktoren werden das Geschehen an der Spitze des Feldes beeinflussen.

Letztlich haben die Macher des Reglements noch eine Schonfrist - die Detaileinstufungen werden erst im Vorfeld des 24h-Rennens festgezurrt, nachdem die verschiedenen Fahrzeugkonzepte in der Langstreckenmeisterschaft ihr Potenzial auf der Rennstrecke offengelegt haben.

Worauf müssen sich Teams, Fahrer und Fans im Jahr 2009 einstellen? Lesen Sie alle Neuerungen des Reglements auf den folgenden Seiten.

24h-Rennen Nürburgring 2009
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Marcus  Schurig

Autor:

SPORT AUTO, Heft 2 / 2009

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