Ford Mustang aus dem Film Bullitt: Verfolgungsjagd schreibt US-Filmgeschichte

Ford Mustang quot;Bullittquot;

Manchmal reichen ein paar Minuten, um ein Auto unsterblich zu machen. Der "King of Cool" Steve McQueen und sein Ford Mustang bildeten in "Bullitt“ das perfekte Gespann. Der dunkelgrüne Ami-Schlitten fasziniert Fans heute mehr denn je.

Steve McQueens stahlblaue Augen fixieren einen schwarzen Dodge Charger. Der verdächtige Wagen ist ihm schon die ganze Zeit auf den Fersen. McQueen alias Frank Bullitt fährt durch die Straßen von San Francisco und dreht den Spieß einfach um: Die Verfolger verlieren den Ford Mustang aus den Augen und sehen ihn auf den abschüssigen Straßen der Stadt plötzlich im Rückspiegel. Mit quietschenden Reifen nehmen die beiden Mafia-Killer im Charger Reißaus, und die berühmteste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte kommt erst richtig in Fahrt.

Die Jagd ist der Höhepunkt eines solide gemachten Thrillers, der im Jahr 1968 Steve McQueen wie auf den Leib geschrieben war und der durch die coolen Autos, die lässige Musik und das realistische Ambiente zum Pflichtprogramm für jeden gehört, der einen Faible für die 60er Jahre hat. Polizei-Lieutenant Bullitt muss den Mord an dem Kronzeugen Johnny Ross aufklären, der gegen die Mafia aussagen sollte. Wie sich herausstellt, schickte Ross aber einen Doppelgänger vor, um sich nach seiner vermeintlichen Ermordung mit den ergaunerten Millionen aus dem Staub zu machen. In einem packenden Showdown auf dem Flughafen kann Bullitt das verhindern.

Zwei Mustangs schreiben Filmgeschichte

Für die Verfolgungsjagd in der Mitte des Films wurden zwei 68er Mustang GT 390 beschafft. Ein schwarzer Maschengrill ohne die üblichen Zusatzscheinwerfer und ohne das berühmte Mustang-Logo eines galoppierenden Pferdes, fünfarmige "American-Racing"-Felgen und natürlich die dunkelgrüne Farbgebung namens Highland Green machten aus dem Serienmodell ein unverwechselbares Gefährt. Um mit dem 68er Dodge Charger R/T mithalten zu können, mussten einige Modifikationen am Mustang vorgenommen werden - auch wenn der 320 PS starke Wagen schon in der Serienversion in weniger als acht Sekunden von Null auf 100 beschleunigte. Der 5,4 Liter große V8 stammte aus dem Ford Thunderbird, war allerdings nicht der stärkste Motor im Mustang-Programm. Eine Siebenliter-Maschine brachte es auf 390 PS, wobei die damals üblichen amerikanischen Angaben in Brutto-PS die tatsächliche Leistung etwas übertrieben.

McQueen fährt selbst
 
Steve McQueen saß in "Bullitt" bei vielen Szenen selbst am Steuer, doch für die besonders gefährlichen Aufnahmen gab es den Stunt-Fahrer Bill Hickman. Insgesamt kamen acht Stunt-Leute zum Einsatz, die auch als Fußgänger vor den rasenden Autos flüchten mussten. McQueen selbst bestand mit seinem unbedingten Willen zum Realismus darauf, dass alle Szenen "on location", also an Originalschauplätzen gedreht wurden. Auf einem Gebiet von mehr als 20 Straßenblocks waren zahllose Mitarbeiter des Filmteams mit Walkie-Talkies verteilt, damit die atemlose Hatz geordnet ablief. Bemerkenswert ist übrigens, dass sich sowohl Frank Bullitt als auch der Bösewicht am Steuer des Charger vor der Verfolgungsjagd anschnallen - Ende der 60er Jahre benutzte kaum ein Fahrer Sicherheitsgurte.

Zahlreiche Filmfehler
 
Die Verfolgungsjagd, die nach heutigen Maßstäben nicht einmal besonders spektakulär ist und nur wenige Minuten dauert, weist zahlreiche Film-Fehler auf. So verliert der Dodge Charger während der Jagd ständig Radkappen - und zwar mehr, als er eigentlich haben dürfte. Wer ein wachsames Auge hat, wird auch einige Autos entdecken, die Mustang und Charger im Laufe der Verfolgungsjagd seltsamerweise mehrfach passieren – einen grünen VW Käfer zum Beispiel und einen weißen 1968er Pontiac Firebird. Doch wen interessieren solche Details, wenn McQueen ganz ohne Tricktechnik und von cooler Jazz-Musik begleitet, Katz und Maus mit den Mafia-Killern spielt, sie außerhalb der Stadt schließlich rammt und der Charger samt Insassen in einer Tankstelle explodiert?

Bullitt-Besitzer will Mustang auf ewig behalten
 
Einer der beiden Film-Mustangs war am Ende der Dreharbeiten so ramponiert, dass man ihn verschrotten ließ. Das Schicksal des anderen Wagens blieb lange ungewiss, bis ihn der amerikanische Mustang-Experte Brad Bowling schließlich aufspürte. Der jetzige Besitzer des Autos scheut laut Bowlings Bericht allerdings die Öffentlichkeit und kündigte an, sich niemals von seinem Schmuckstück trennen zu wollen. Sogar als Steve McQueen selbst ihm im Jahr 1977 ein Kaufangebot machte, schlug der Mann es aus.

Ford legt Bullitt-Versionen auf

McQueen starb 1980 im Alter von nur 50 Jahren, doch sein Sohn Chad kehrte 2001 noch einmal zum Schauplatz von "Bullitt" zurück. Denn Ford legte damals eine spezielle Version des Mustang GT in Bullitt-Optik auf, die zusammen mit einem Nachbau des Originalwagens in den Straßen von San Francisco in Szene gesetzt wurde. Der Auftritt Chad McQueens adelte natürlich die Neuauflage des Wagens, die auch nicht die letzte blieb: 2008 erschien zum 40-jährigen Jubiläum des Films wieder ein Bullitt-Mustang. Der Wagen kostete knapp 31.000 US-Dollar, die Produktion war auf 7.700 Exemplare begrenzt. Ein standesgemäßer V8-Motor mit 4,6 Litern Hubraum, 315 PS und 440 Newtonmetern Drehmoment sorgte für quietschende Reifen. Weil die Nachfrage nach dem Auto offenbar gewaltig ist, führte Ford die Sonderserie im Modelljahr 2009 fort.

Bullitt-Mustang mit eigenem Fanclub
 
Die Begeisterung für das berühmteste Ponycar aller Zeiten ist noch heute so groß, dass sich mehr als 2.000 Fans aus aller Welt im International Mustang Bullitt Owners Club zusammengeschlossen haben. Sie nennen sich selbst "Bullittheads" und veranstalteten 2006 ein Treffen in San Francisco, wo sie die legendäre Verfolgungsjagd nachstellten - wenn auch in deutlich geringerem Tempo. "Als wir an die Stelle kamen, wo die Sprünge gefilmt wurden", erinnert sich Bullitt-Fan Greg Autry auf der Webseite des Clubs, "mussten wir die Fähigkeiten der Stunt-Fahrer von damals wirklich bewundern - wie sie auf einer derart steilen Strecke die Autos beherrschen konnten, ohne dabei in ein Gebäude zu krachen."

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Sebastian Viehmann

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