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sport auto-Zeitschrift 08-2010

Rallye Dresden-Dakar-Banjul 2009: Die wohl verrückteste Rallye der Welt

Am 7. November 2009 startet die Rallye Dresden-Dakar-Banjul zum mittlerweile achten Mal in Richtung Afrika. 50 Teams treten die 7.000 Kilometer-Reise in ihren Gebrauchtwagen an. Im Ziel in Banjul werden die Autos für einen guten Zweck versteigert.


Bilder
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Foto: Breitengrad e.V.

Mit uralten Gebrauchtwagen kämpfen sich 50 Teams in drei Wochen von der Elbe an den Gambia-Fluss.

Mit uralten Gebrauchtwagen kämpfen sich 50 Teams in drei Wochen von der Elbe an den Gambia-Fluss.

"Wenn wir die Wüste erreichen, ist das, als würdest du ein Rudel Wölfe los lassen! Die Euphorie der Fahrer ist grenzenlos. Der Übermut dämpft sich meistens durch einige Reifenpannen und abgefallene Auspuffrohre von ganz allein. Nachdem die ersten Autos eingesandet sind, wird das Ganze dann meist etwas verhaltener angegangen", sagt Falk Altmann und lacht verschmitzt. Der 40-Jährige organisiert gemeinsam mit seinen Freunden Holger Leipnitz und Torsten Schulze die wohl außergewöhnlichste Autosportveranstaltung für Privatpersonen in Deutschland, die Rallye "Dresden-Dakar-Banjul".

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7.000 Kilometer in alten Gebrauchtwagen

Am 7. November 2009 bricht der Rallye-Tross bereits zum mittlerweile 8. Mal aus der sächsischen Landeshauptstadt in Richtung Gambia auf und ist damit die größte Veranstaltung dieser Art, die auf dem europäischen Festland startet. Knapp 7.000 Kilometer führt die Strecke in 19 Tagen durch Deutschland, Frankreich und Spanien, Marokko, Mauretanien und den Senegal mit der legendären Stadt Dakar, bis die Karawane Banjul, die Hauptstadt des kleinsten afrikanischen Landes erreicht. 
 
Zur "Mutter aller Rallyes", dem großen Vorbild "Dakar", gibt es zwei gravierende Unterschiede: Erstens ist diese Tour keine Jagd, bei der es um Geschwindigkeit geht und zweitens dürfen die Teilnehmer ausschließlich in alten Gebrauchtwagen an den Start gehen. Am Zielort werden die Autos versteigert und der Erlös wird an verschiedene Hilfsorganisationen, Schulen, Krankenhäuser und andere Projekte verteilt. Diese Tatsachen und die moderate Startgebühr erklären, warum die aller sechs Monate stattfindende "Low-Budget-Rallye" in ihrem dritten Jahr längst über die Grenzen Dresdens und Sachsens hinaus bekannt und beliebt ist: Die nächste Runde im April 2010 ist mit 50 Teams bereits vollständig ausgebucht.

Mechaniker begleiten die Rallye im Besenfahrzeug
 
Die Streckenführung ist anspruchsvoll, kann jedoch von jedem guten Autofahrer bewältigt werden. Die Anforderungen an die Fahrzeuge werden bewusst niedrig gehalten und wenn doch mal der Keilriemen reißt oder ein Reifen platt ist, helfen Mechaniker, die die Rallye in einem gut ausgerüsteten "Besenfahrzeug" begleiten, damit garantiert keiner auf der Strecke bleibt. Noch nie kam es zu Extremsituationen und größere Unfälle blieben - bis auf einige selbstverschuldete Dellen durch waghalsige Überholmanöver - komplett aus. Pannen oder Probleme an den Wagen können fast immer repariert und beseitigt werden. Selbst Härtefälle wie ein Opel Kadett in "ziemlich verwohntem Zustand", an den sich Organisator Holger Leipnitz erinnert ("Bei dem riss sieben Mal der Keilriemen und dreimal fiel der Auspuff ab"), schafften es nach Banjul. 
 
Wenn man das Wort "Automatik" erwähnt, verziehen er und Falk Altmann etwas säuerlich die Gesichter: Das ist nichts für die Wüste! Schmunzelnd berichten sie, wie es ein Chrysler mit Automatikgetriebe einst schaffte, bereits auf dem Weg zum Pressefototermin am Dresdner Elbufer die ersten Aussetzer zu haben. Als solide Rallyemarken haben sich bisher VW und Mercedes erwiesen. Diesel sind für die Strecke eine gute Wahl und erzielen auch bei der Versteigerung das meiste Geld. Pro Auto gingen bereits Summen zwischen 600 bis 2.000 Euro über den Tisch.


Rallye-Abenteuer in der Wüste - und alles für einen guten Zweck
 
Von allen Fahrern heiß ersehnt sind die Etappen durch die Sahara. Die wichtigsten Regeln für die Wüste werden allmorgendlich in einem Briefing erläutert, bei dem Anwesenheitspflicht herrscht. "Man muss unbedingt Abstand halten und versetzt fahren. Es existiert kein direkter Weg durch die Dünenketten. Deshalb begleiten uns in dieser Phase auch zwei erfahrene, einheimische Wüstenführer", so Holger Leipnitz.

Als neues Element kommt in diesem Jahr Geocaching, eine moderne Schnitzeljagd mit GPS-Geräten, zum Fahrspaß hinzu. Interessierte Teilnehmer können sich durch die sogenannten "Caches" an besonders schöne Orte locken lassen, kulturelle Geheimtipps entdecken und ihren Sportsgeist anstacheln lassen.
 
Die Herausforderung, jene legendäre Strecke nach Dakar mit dem Auto zu bewältigen, unvergessliche Eindrücke und wohldosierter Nervenkitzel sind Kern der Rallye. Hinzu kommt jedoch, dass durch die Versteigerung der Wagen in Gambia jeder Teilnehmer auch seinen ganz persönlichen Beitrag zur Unterstützung der Bevölkerung in dem armen Land leistet. Bei der letzten Rallye kamen auf diesem Wege 44.000 Euro zusammen: "Man kann direkt vor Ort nachvollziehen, was mit dem Erlös passiert und die Rallyefahrer haben Kontakt mit den Kindern, sehen die Schulen und Krankenstationen, denen sie helfen", erklärt Holger Leipnitz voller Stolz und gibt zu bedenken: "Der Überfluss, den hier in Europa im Grunde kein Mensch braucht, hilft dort unten wirklich."

Ausführliche Berichte und Bilder vom Start, der Strecke und den unterschiedlichen Etappen, ab Samstag, 7. November 2009 bei den Kollegen auf auto-motor-und-sport.de

Autor: Juliane Schiemenz
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