Großer Allrad-Vergleichstest auf Schnee: Der sportlichste Allradler mit Winterreifen ist...

Audi TT RS, BMW X6 M, Nissan GT-R, Opel Insignia OPC, Porsche Panamera 4S, VW Golf R

Beim Vergleichstest von sportlichen Allradfahrzeugen auf Schnee reicht die Leistungsspanne von 270 bis 555 PS. Die Kandidaten sind der Audi TT RS, der BMW X6 M, der Nissan GT-R, der Opel Insignia OPC, der Porsche Panamera 4S und der VW Golf R.

Verlässliche winterliche Bedingungen und weitläufige Testareale sind am ehesten nahe des Polarkreises garantiert. Aus diesem Grund hat sport auto auch in diesem Jahr mit sechs neuen sportlichen Allradlern den weiten Weg ins mittelfinnische Rovaniemi angetreten. Gefahren und getestet wurde auf regulären, von den Herstellern ausgewählten Winterreifen.

Auch wenn die deutschen Autofahrer inzwischen wieder Licht am Ende des Tunnels sehen und Grund zum Aufatmen haben: Der nun wohl endgültig in den letzten Zügen liegende Winter hat gezeigt, dass die Diskussion um die Winterreifenpflicht oder das Für und Wider allradgetriebener Autos sehr wohl ihre Berechtigung hat. Noch geht die von allen Seiten herbeizitierte Klimaerwärmung jedenfalls nicht mit dem Vorteil allzeit schnee- und eisfreier Straßen in mitteleuropäischen Breiten einher.

Ergo lohnt sich der sport auto längst lieb gewordene spätwinterliche Ausflug an den Polarkreis auch weiterhin. Denn wo, wenn nicht hier - auf den unberührten Weiten fest gefrorener und perfekt präparierter finnischer Seen - ließe sich den von der Automobilindustrie alljährlich neu geschnürten Allradpaketen, den sportlichen zumal, bei einigermaßen stabilen Bedingungen auf den Grund gehen. Die Hersteller selbst verbannen ihre Entwicklungsingenieure und Testfahrer schließlich nicht ohne Grund wochenlang in die eisigen Einöde. Und eisig ist es: Bei minus 27 Grad Celsius am Testtag müssen selbst Nordland-erfahrene Insider ihr eingebautes Thermometer neu justieren. Kurz mal mit duschfeuchten Haaren oder ohne lange Unterhosen unter der Jeans ins 200 Meter vom Hotel entfernt gelegene Restaurant gehen ist bei diesem Wetter nicht. So frisch hat sich Finnland bislang noch nie gezeigt. Das verlangt nicht nur dem menschlichen Material ungewohnte Qualitäten ab - doch dazu später mehr. Erst einmal gilt es die mitgereisten Probanden vorzustellen.
 

Allradvergleichs-Test mit Winterreifen auf Schnee
Traktionsprüfung Beschleunigung 0 - 100 km/h
Porsche Panamera 4S 8,1 s
Audi TT RS 8,2 s
Opel Insignia OPC 8,3 s
BMW X6 M 8,9 s
Nissan GT-R 9,2 s
VW Golf R 9,5 s
Bremsprüfung Bremse 100 - 0 km/h
Nissan GT-R 104,1 m
BMW X6 M 104,8 m
Opel Insignia OPC 106,0 m
Porsche Panamera 4S 109,0 m
Audi TT RS 109,9 m
VW Golf R 123,0 m
Handlingkurs Rundenzeit
Opel Insignia OPC 4.27,6 min
Audi TT RS 4.28,4 min
Porsche Panamera 4S 4.28,9 min
BMW X6 M 4.30,1 min
Nissan GT-R 4.36,5 min
VW Golf R 4.41,5 min

Audi TT RS und BMW X6 M

Gestatten - hier sind die sechs zum Allradvergleich angetretenen Kandidaten in beliebiger Reihenfolge: Den Auftakt macht zum wiederholten Male ein sportliches Coupé des Ingolstädter Allradspezialisten Audi, oder besser: der dazugehörigen, die Vierrad-Technik quasi im Namen tragenden Heilbronner Sportdependance quattro. Der 2+2-Sitzer hört auf den Namen TT RS und hat einem über Jahre auf Eis gelegten Motorenkonzept neues Leben eingehaucht - dem Fünfzylinder mit Turboaufladung. Der betörende Klang und der ungestüme Vorwärtsdrang der 340 PS starken Preziose lässt die Nackenhaare sportaffiner Autofahrer verlässlich stramm stehen. Wie aber - so die bislang unbeantwortete Frage - wird sich das flügelbewehrte Coupé bei niederen Reibwerten in Szene setzen? Ähnlich brav und mit gebremstem Schaum wie anno 2009 der kleine Bruder TTS, mit dem sich der Audi TT RS die Haldex-Kupplung teilt, oder - dank bei Produkten der quattro GmbH komplett deaktiverbarem ESP - ein gutes Stück agiler? Seiner exponierten Herkunft würde er dies schulden.

Das zweite Auto im Bunde gehört einer Fahrzeuggattung an, die bei sport auto ansonsten eher nicht im Fokus steht. Die Rede ist vom BMW X6 M , der zwar gleichfalls die Kennung der Münchener Sportdependance trägt, als SUV - Verzeihung: SAC - den üblichen Maßstäben der BMW M GmbH jedoch irgendwie entwachsen scheint. 555 Biturbo-V8-PS - das passt. Aber 2.343 Kilo Gewicht klingen eher nach Trägheit der Masse denn nach spielerischer Leichtigkeit. Wenngleich - auf der Nürburgring Nordschleife hat das bayerische Dickschiff mit einer Rundenzeit von 8.24 Minuten schon einmal für Erstaunen gesorgt. Vielleicht gelingt der Coup ja ein zweites Mal. Die prinzipiell hecklastige Momentenverteilung des variablen Allradantriebs könnte darauf hindeuten.

Opel Insignia OPC und Nissan GT-R

Das nächste heiße Allrad-Eisen kommt aus Rüsselsheim und hört auf den Namen Opel Insignia OPC. Auch hier zeichnet also die sportliche Kaderschmiede des Autobauers für die Performance der stattlichen Mittelklasse-Limousine verantwortlich. Nach dem hervorragenden Abschneiden des 2.0 Turbo 4 x 4 im vergangenen Jahr sind die Erwartungen an das OPC-Modell naturgemäß hoch gesetzt. Im Gegensatz zu anderen, tendenziell untersteuernden Autos mit Haldex-Lamellenkupplung bestach der Insignia anno 2009 trotz seiner vergleichsweise geringen Motorleistung von 220 PS mit einer überaus erfrischenden Vorstellung im Slalom und auf dem Handlingkurs. Das massige Heck lenkte willig mit, Befehle zur Richtungsänderung wurden verzögerungsfrei umgesetzt. Was steht da erst mit 325-V6-Turbo-PS zu erwarten?

Mit noch mehr Spannung wird eigentlich nur die vom Nissan GT-R aufs Eis gelegte Inszenierung erwartet. Im Supertest war der Japaner mit dem über jeden Zweifel erhabenen Traktionsvermögen eine Klasse für sich. Bezüglich des Einsatzes auf Eis und Schnee kommen angesichts der Konfiguration des 1.778-Kilo-Boliden mit der stämmigen Statur jedoch Zweifel auf: 486-Sechszylinder-Biturbo-PS wollen von den montierten Bridgestone Blizzak-Pneus der Dimension 255/40 R 20 vorn und 285/35 R 20 hinten erst einmal verarbeitet sein. Dies gilt umso mehr, als der GT-R auf trockener Straße prinzipiell als Hecktriebler unterwegs ist. Erst bei niedrigen Reibwerten werden bis zu 50 Prozent der Antriebskräfte unter Zuhilfenahme der an Bord befindlichen Differenziale auf elektronischem Weg an die Vorderachse abgegeben. Abgerundet wird das tatkräftige Allradpaket durch ein Hinterachs-Sperrdifferenzial.

Porsche Panamera 4S und VW Golf R

Porsche hat mit Einführung des neuen Elfers die Visco-Lamellenkupplung gleichfalls durch eine elektronisch gesteuerte ersetzt. Der zum Test angetretene 400 PS starke Porsche Panamera 4S vertraut auf ein identisches System nebst Hinterachs-Quersperre. Für die Kraftübertragung zeichnet serienmäßig das Doppelkupplungsgetriebe DKG verantwortlich.

Last but not least ringt mit dem 270 PS starken VW Golf R noch ein kompakter Allradler ohne übertrieben sportliche Allüren um Grip und Vortrieb. Da der aufgeladene Vierzylinder-Direkteinspritzer des Konzerns auch in diesem Fall quer montiert ist, tut hier gleichfalls eine Haldexkupplung Dienst. Im Gegensatz zum 4motion-Antrieb des R32 arbeitet das jetzt mit einer elektrischen Pumpe nebst Druckspeicher versehene System nun allerdings schlupfunabhängig. Es bedarf also keiner Drehzahlunterschiede zwischen Hinter- und Vorderachse mehr, um die Lamellenkupplung zu aktivieren.

Soweit die Theorie. Die Praxis lesen Sie in Teil 2 und in der Fotoshow.

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