Vergessen wir kurz die Vernunft. Für rund 25.000 Euro gibt es einen neuen Golf GTI mit 200 PS - oder ein Tuning-Auto aus Vorbesitz. Der Markt hält berückende Okkasionen bereit.
Sicher ist so ein Golf GTI eine prima Entscheidung. Ein netter Neuwagen mit Garantie und ESP. Immerhin 200 PS stark, gelenkig im Handling, solides Finish. Null Risiko. Der Banker winkt die Finanzierung schon durch, bevor der Kaffee auf dem Tisch steht. Kein Schwiegervater, der sein schütteres Haupt schüttelt, keine Kollegen, die einen für verrückt halten. Und, leider: Kein Wiedererkennungswert, wenn er auf dem Parkplatz steht. Es gibt sie, diese Tage, an denen man sich zu jung für so viel Unaufgeregtheit fühlt.
Die Autos, die einen dann trösten können, sind nicht neu
Aber sie sind auch nicht wesentlich teurer als ein neuer Golf GTI, obwohl sie deutlich mehr leisten, viel anregender klingen und einem wirklich alleine gehören - weil sie sich nur in homöopathischen Dosen verbreitet haben. Willkommen im Reich der Schnäppchen.

Es ist ein VW Beetle mit Geschichte
320 PS stark. Als "schnellster Beetle der Welt" hat ihn Tuner Digi-Tec vor sieben, acht Jahren auf Messen herumgereicht und der Fachpresse zum Probefliegen angeboten. Viele Kilometer kamen nicht zusammen. Dennoch ist er jetzt beinahe ein Youngtimer und soll für 27.900 Euro einen neuen Besitzer finden.
Das Kuschelauto mit den Kulleraugen klingt im Leerlauf ungefähr so gelöst wie ein Grizzly auf Speed. Und so bewegt er sich auch - besonders dann, wenn bei etwa 3.000 Kurbelwellenumdrehungen das Böse in ihm erwacht. Gut 400 Newtonmeter Drehmoment drücken den Brachial-Beetle vorwärts, erst bei 7.000 Touren greift der Begrenzer ein. In 5,8 Sekunden kann das Schaustück auf 100 sein, damit nimmt er dem aktuellen GTI immer noch anderthalb Sekunden ab. Und er rennt 250. Und er klingt dabei wirklich wie ein Tier.
Ein Maserati als Scheidungsopfer
Aber es muss zum GTI-Preis ja nicht unbedingt ein VW sein. Es gibt auch einen Maserati. Und der sieht keinen Deut weniger jugendlich aus als der Digi-Tec-Beetle. "Er ist ein Scheidungsopfer", sagt Florian Ebersoldt, Geschäftsführer der Firma Modena Performance im pfälzischen Neustadt und überreicht den Schlüssel des durchdringend gelben Coupés, das auf seinem Hof steht. Der Preis: 28.900 Euro.
Das ist etwa ein Drittel dessen, was er vor sieben Jahren und nur 27.381 Kilometern gekostet hat, mit Vollausstattung und dem kompletten Fitnessprogramm des Neustadter Maserati-Experten: allem voran die Motoroptimierung mit geänderter Elektronik, modifizierten Steuerzeiten, Edelstahl-Schalldämpfer und 355 statt serienmäßigen 280 PS Leistung.
Dazu eine Vierkolben-Brembo-Bremsanlage, fette 17-Zöller und herzhaft zubeißende Sportsitze statt der originalen Komfortsessel. Er ist eines dieser Autos, von denen man in zehn Jahren mit der Einleitung "Hätte ich damals doch ..." erzählen wird. Womit der künftige Besitzer rechnen darf: Fünf Sekunden von null auf 100 km/h, Schub bis etwa 290, dazu ein ballerndes Soundinferno, das noch lange nach der Probefahrt in der Erinnerung nachhallt.
Autor: Christian Steiger
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