Drei Disziplinen galt es zu beherrschen: Schnee, Nässe sowie auch trockene Fahrbahn
Dem Schnee ordentlich die Lamellenzähne zu zeigen, gilt immer noch als unbestrittene Hauptaufgabe von Winterreifen. Auch wenn in unseren Breiten eine weiße Pracht zwar nurmehr spärlich, dann jedoch meist überraschend hereinbricht. Trotzdem oder gerade deswegen ist es also nach wie vor ratsam, sich gegen die winterlichen Tücken standesgemäß zu wappnen.
Nur gut auf Schnee reicht nicht
Die verlangen von einem Winterreifen, neben einem ordentlichen Grip bei Schnee und Eis, auch einen sicheren Tritt auf regennassem Geläuf. Und zu guter Letzt sollte der Winterspezialist auch auf trockener Straße noch eine angemessene gute Figur abgeben. Zumal die sieben zu diesem Vergleich angetretenen Produkte mit Geschwindigkeitsindex V deklariert, also bis Tempo 240 freigegeben sind – vom Vredestein Wintrac Extreme abgesehen, der in der gewählten Test-Größe 235/ 40-18 nur mit W-Kennung (bis 270 km/h) zu haben ist.
Das sonstige Feld, der Continental WinterContact TS810 S, Dunlop SP Wintersport 3D, Hankook Icebear W300, Michelin Pilot Alpin2, Pirelli Snowsport240 und der Goodyear Eagle Ultra Grip GW-3, lässt es also bei maximal 240 km/h bewenden. Schließlich spielt Topspeed bei Winterreifen keine allzu große Rolle.
In den gewichtigen Schneedisziplinen hebt sich gerade letztgenannter deutlich von der Konkurrenz ab. Der Goodyear meistert die Traktionsprüfung, bei der mit wohl dosiertem Gaseinsatz in der Ebene von 10 auf 50 km/h beschleunigt wird, am schnellsten. Die Gegenprüfung, also die Verzögerung von 50 auf 0 km/h, bestreitet der Goodyear Eagle ebenfalls am besten. Und mit einer Rundenzeit von 1.13,0 Minuten liegt er auch auf dem Handlingparcours deutlich vor dem Rest des Feldes. Dabei überzeugt der Ultra Grip zudem mit einer hervorragenden, weil sehr ausgeglichenen Fahrbarkeit.
Was das Können auf Schnee betrifft, folgen der Pirelli und der Dunlop sozusagen Schulter an Schulter auf Rang zwei. Wenngleich der Italiener etwas mehr Traktionsvermögen und mehr Grip beim Bremsen bietet. Beim Handling ist die Rundenzeit dann jedoch identisch, obwohl sich der Pirelli im Fahrverhalten etwas konzilianter zeigt. Im Vergleich zum leicht übersteuernden Dunlop drängt der Snowsport im Grenzbereich sachte über alle Viere zum Kurvenausgang.
Die drei Führenden deklassieren die Konkurrenz
Hinter den drei Bestplatzierten in den Schneedisziplinen klafft eine größere Lücke. Zwar kann der Vredestein in puncto Traktion und auch beim Bremsen gut mithalten. Auf dem Handlingkurs hinkt er aber vor allem durch seine Übersteuertendenz bereits knapp 1,5 Sekunden hinterher. Mit dem Contintental und dem Hankook bestückt, ist der Allrad-Audi noch einen Hauch langsamer unterwegs. Der Conti bietet jedoch eine ausgewogenere Balance, wohingegen der Koreaner einerseits mit größeren Schräglaufwinkeln aufwartet, andererseits in Wechselkurven dafür sorgt, dass der S4 mit dem Heck gerne mal auskeilt.
Weniger Seitenführung – und zwar deutlich – hat nur noch der Michelin zu bieten. Der 1.000 Meter lange Handlingkurs ist mit dem kurz vor der Ablöse stehenden Pilot Alpin2 über fünf Sekunden langsamer zu absolvieren als mit dem Schneekönig von Goodyear. Bei der Verzögerung ist der Franzose mit bei der Musik, bei der Seitenführung muss er passen. Neben einem deutlichen Untersteuern legt er auch ausgeprägte Reaktionen auf Lastwechsel an den Tag.
Bei Nässe sieht das Bild nicht viel besser aus – zumindest in Bezug auf die Handlingkünste des Pilot Alpin2. Das Lenkverhalten zeigt sich zunächst noch sehr direkt und vermittelt eine exakte Rückmeldung an den Fahrer. Im weiteren Kurvenverlauf gibt sich der Michelin jedoch stark dem Untersteuern hin. Bei Lastwechseln geht der Übergang zum Übersteuern jedoch sachte und somit leicht zu beherrschen vonstatten. Somit ist dem Michelin zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit zu bestätigen, zumal die Verzögerungsleistung bei Nässe auf einem sehr guten Niveau liegt.
Der Hankook trägt durchaus ähnliche Charakterzüge. Der Icebear markiert zusammen mit dem Michelin das Schlusslicht beim Nasshandling, obwohl er den Rundkurs sogar noch eine gute Sekunde schneller absolviert. Die Lenkpräzision fällt allerdings wenig überzeugend aus. Zudem zeigt der mit Hankook ausgerüstete Audi einen relativ harschen Übergang vom Unter- zum Übersteuern. Die Verzögerungsleistung bei Nässe ist hingegen gutes Mittelmaß.
Gut im Schnee - In der Nässe mäßig
Der beste bei den Schneetests, der Goodyear Eagle, kommt mit der nassen Fahrbahn ebenfalls nicht besonders gut zurecht. Bei der Rundenzeit ordnet sich der Ultra Grip GW-3 im hinteren Mittelfeld ein. Die Lenkpräzision lässt deutliche Wünsche offen. Mit dem Goodyear bestückt offenbart der Audi S4 sehr hohe Schräglaufwinkel und tendiert auch unter Last zum Übersteuern. Bei der Verzögerung aus Tempo 100 gönnt sich der Ultra Grip die längste Strecke: 53,6 Meter.
Am besten bremst der Allradler letztlich mit dem Pirelli und vor allem dem Continental. Letzterer liegt auch beim Nasshandling mit in der vier Probanden starken Spitzengruppe. Wenngleich der WinterContact TS810 S den Parcours mit ausgeprägten Schräglaufwinkeln absolviert und dann Lastwechselreaktionen an den Tag legt, die zwar spät in Erscheinung treten, dann allerdings schwer wieder zu bändigen sind.
Der Vredestein liegt auf gleichem Rundenzeitenniveau wie der Continental, bietet andererseits deutlich weniger Lenkpräzision und verfällt auch früher in ein starkes Untersteuern. Jedoch reagiert der Wintrac Extreme so gut wie kaum auf Lastwechsel. Bei der Verzögerung auf nasser Fahrbahn kann er allerdings mit der Spitzengruppe nicht ganz mithalten.
Die bilden, zumindest in puncto einer freudvollen Agilität und einem ausgewogenen Fahrverhalten, der Dunlop sowie der Pirelli. Wenngleich der Snowsport240 auch noch ein vorzügliches Bremsverhalten zu bieten hat, während der Wintersport 3D von Dunlop mit einem Bremsweg von 53,4 Meter aus Tempo 100 nur knapp vor dem Schlusslicht Goodyear rangiert.
Fahrdynamisch ist der Dunlop wiederum top, tendiert nur leicht zum Untersteuern und schiebt bei Lastwechselsituationen sicher und gemächlich über alle Viere. Hinzu gesellt sich ein sehr direktes Lenkgefühl, was auch eine hervorragende Rückmeldung zur Folge hat.
Der Pirelli ist auf dem bewässerten Handlingparcours dem Dunlop lediglich einen Wimpernschlag voraus. Die Lenkpräzision des Italieners ist nicht ganz so exakt wie die des Dunlop. Aber auch der Pirelli gewährt dem Audi ein ausgeglichenes Fahrverhalten im Grenzbereich, mit einer nur leichten Tendenz zum Untersteuern. Lastwechseln entgegnet der Snowsport überaus sanftmütig, indem sich der Testwagen sachte und sicher in die Kurve eindreht.
Bleibt bei den Kriterien auf nasser Strecke nur noch eine Instanz offen: das Aquaplaningverhalten. Und auch diese Prüfung machen der Pirelli und der Dunlop unter sich aus. Letzterer schwimmt im acht Millimeter tiefen Wasserbecken erst bei einer Geschwindigkeit von 75,9 km/h auf. Der Pirelli verliert bei einem Tempo von 73,4 den Fahrbahnkontakt, nahezu gleichauf mit dem Hankook Icebear W300. Der Letzte im Bunde ist der Goodyear, wenngleich der Unterschied zum besten im Feld nicht einmal 6 km/h beträgt.
Geringe Unterschiede bei Trockenheit
Nach den Schnee- und Nässeprüfungen, bei denen jeweils maximal 100 Punkte erreicht werden können, stehen noch die mit maximal 70 Punkten belegten Tests bei Trockenheit aus. Dabei sind die auf dem Handlingkurs erzielten Zeiten sicherlich von sekundärer Bedeutung. Wer geht mit dem Winterreifen schließlich auf die Rennstrecke? Zumal die Unterschiede vergleichsweise gering ausfallen: Die Differenz zwischen dem ersten und letzten im Feld beträgt gerademal eine Sekunde.
Subjektiv bieten der Conti und der Vredestein die beste Lenkpräzision, wenngleich der Wintrac auch die ausgeprägtesten Lastwechselraktionen offenbart. Andererseits meistert er die Brems-prüfung aus Tempo 100 mit einer durch- aus akzeptablen Leistung, während der Dunlop die längste Strecke für sich in Anspruch nimmt. Immerhin gute vier Meter mehr als der Continental, der mit einem Bremsweg von 43,8 Meter jedenfalls in dieser Disziplin den besten Biss zeigt.









