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sport auto-Zeitschrift 08-2010

BMW 335i gegen Mitsubishi Lancer Evo IX und Subaru Impreza WRX STi

Ein Bayer verweist zwei japanische Dauerrivalen auf die Plätze

Japan zwei und drei - so lautete ein Ergebnis der diesjährigen Leserwahl. Kann der BMW 335i den Ausnahmeathleten Mitsubishi Lancer Evo IX und Subaru Impreza WRX STi aus sportlicher Sicht wirklich das Wasser abgraben?


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Foto: Herzog

Ganz schön gschert – sagen sie dazu in Bayern. Dazu setzen sie ein charmant verschmitztes Lächeln auf und betiteln sich womöglich selbst, die gscherten Verantwortlichen von BMW. Denn was die Weiß-Blauen bei der diesjährigen Leserwahl „Die sportlichsten Autos“ abgeräumt haben, passt auf keine Kuhhaut. Auch nicht auf eine bayerische. In acht von insgesamt 14 Kategorien ging der Titel nach München. Die Vermutung liegt nahe, ganz Bayern hat sich bei der Wahlteilnahme gegen den Rest der Welt verschworen. Schließlich sahnten auch noch die Kollegen aus Ingolstadt ab – jedenfalls in zwei Kategorien. Die Bayern sind also nicht nur in Früh-, sondern in Topform und spielen in dieser Saison in Ligen an der Spitze, deren Titelgewinner bislang primär in Asien zu finden waren.

BMW entscheidet eine japanische Domäne für sich

In der Kategorie E beispielsweise, der Liga der sportlichen Limousinen bis 45.000 Euro – seit Jahren ein Heimspiel zweier allradgetriebener Japaner. Im Dauerzwist: Mitsubishi Lancer Evolution und Subaru Impreza WRX. Der klägliche Rest der sportlichen Limousinenwelt hatte in der Vergangenheit wenig zu melden. Obwohl sich bei der letztjährigen Leserwahl abzeichnete, dass die Dauerfehde der straßentauglichen Rallye-Ikonen Zuwachs bekommen würde: Platz drei für den BMW 330i. Tatsächlich wandelte sich der knappe prozentuale Rückstand anno 2006 mit dem Auftritt des 335i in einen gehörigen Vorsprung. 40,5 Prozent Leserstimmen pro BMW und lediglich nur noch rund 15 Prozent für Subaru respektive Mitsubishi sind ein klares Votum. Aber sind die grundverschiedenen Typen überhaupt vergleichbar oder treffen hier Äpfel auf Birnen?

Lapidar betrachtet führt der Bayer ins Feld, dass neue Besen bekanntlich gut kehren. Auch unter Berücksichtigung der nominellen Werte mag die geradezu erdrückende 335i-Dominanz in Ordnung gehen. Schließlich ist der 306 PS und maximal 400 Newtonmeter starke Reihensechszylinder mit Twin-Turbo-Aufladung schlichtweg ein Gedicht, dem die beiden Japaner offensichtlich nichts direkt Ebenbürtiges entgegenzusetzen haben. Beide lassen es traditionell bei 280 PS bewenden. Der 2,5 Liter große Boxermotor des Subaru kommt mit seinem maximalen Drehmoment von 392 Newtonmeter zumindest noch in etwa an die Performance des BMW heran. Wohingegen der aufgeladene Zweiliter des Mitsubishi mit maximal 355 Nm schon deutlicher hinterherhechelt.

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Der Stärkste gewinnt? - So einfach ist die Rechnung nicht

So mag der bayerische Triumphzug also schnell und einfach erklärt sein – der Stärkste gewinnt. Vorschnell betrachtet. Denn tatsächlich liegt das zunächst ungleich scheinende Trio doch auf identischer Augenhöhe, zieht man das Leistungsgewicht in Betracht. Die üppige Ausstattung, der Einsatz edler Materialien und seine grundsolide Machart stellen den Bayern natürlich Qualitativ auf eine deutlich höhere Stufe. Die Kehrseite der edlen Medaille macht sich sodann aber auch auf der Waage bemerkbar. Üppige 1.626 Kilogramm wiegt der heckgetriebene 335i – über 100 Kilo mehr als das mit aufwendiger Allradtechnik bestückte japanische Paar. Womit sich der Vergleich dieser ungewohnten Zusammenstellung neben den Preisen auch auf eine zweite haltbare Basis stützt, nämlich auf die von einheitlich rund 5,3 Kilogramm pro PS. Bezogen auf diesen gemeinsamen sportlichen Nenner zeigt sich, dass Edellimousine und Flügelmonster fahrdynamisch keineswegs so weit auseinanderliegen, wie sie es optisch skizzieren.

16,8 Sekunden benötigt der BMW, um auf Tempo 180 zu sprinten. Für diesen Spurt braucht der Subaru eine Zeit von 17,1 und der Mitsubishi von 17,7 Sekunden. Dabei wird dem Evo etwas zum Hemmschuh, dass die Motorelektronik die Einkuppeldrehzahl beim Sprint aus dem Stand limitiert, um den Antriebsstrang zu schonen. Wodurch es dem Lancer beim Antritt etwas an Mumm fehlt. Der Subaru, im Vollbesitz seiner Kräfte, produziert einen Wimpernschlag Schlupf, um sich sodann brutal aus dem Startblock zu schießen. Dem BMW hilft beim Antritt zwar die am besten entwickelte, weil nahezu ausgeglichene Gewichtsbalance. Dennoch muss der Hecktriebler in diesem Umfeld leichte Nachteile bei der Traktion verbuchen. Jedoch ist der ebenso gefühlvoll wie auch bärig zupackende Biturbo-Motor locker in der Lage, den anfänglichen Rückstand wettzumachen. Als zögen tierische fünf Liter Hubraum am Riemen, reißt der Sechszylinder an. Von Turboloch keine Spur – der Direkteinspritzer schiebt permanent, ebenso elegant wie energisch.

Das breit nutzbare Drehzahlband tut ein Übriges, um mit dem BMW auf langen Etappen zu glänzen. Denn an sich ist es schnuppe, wo die Drehzahlnadel gerade herumturnt, Leistung ist vorhanden. Am eklatantesten kommt dies bei der Elastizitätsmessung im sechsten Gang zum Tragen, wo der 335i den ansonsten gut Paroli bietenden Japanern eine lange Nase dreht. Schlussendlich auch dem bei den Durchzugswerten gut situierten Mitsubishi, dessen Sechsganggetriebe relativ kurz übersetzt ist. Eine Tatsache, die wiederum unterstreicht: Die vergleichsweise kleinvolumigen Japan-Turbos wollen bei Laune gehalten werden. Die Drei auf der Drehzahlmesserskala ist Pflicht, um ordentlich Zug an der Kette zu haben. Darunter spielt sich nicht allzu viel ab. Der nachfolgende Übergang in die Sturm-und-Drang- Phase der Vierzylinder wiederum geht umso abrupter vonstatten. Turboloch? Aber sicher doch. Beim Evo IX ist jene Gedenksekunde gar noch präsenter als beim 2,5-Liter-Boxer des WRX STi. Zudem scheint der Vierventiler des Mitsubishi mit den an diesem Messtag vorherrschenden Rahmenbedingungen nicht so gut zurechtzukommen wie seine beiden Konkurrenten. Schwülfeuchte 24 Grad Celsius und ein verhältnismäßig niedriger Luftdruck machen dem Testwagen zu schaffen. Er erreicht die im Winter vor einem Jahr ermittelten Messwerte nicht mehr ganz.


Die Faszination der japanischen Sportler hat nicht gelitten

Und wenn schon, das Faszinationspotenzial ist nach wie vor in bester Ordnung und bei beiden Japanern traditionell hoch entwickelt. Sie kitzeln in der Magengrube mit dem unorthodoxen Flair, dass sie sich ziemlich wenig um Eleganz scheren. Sie sind von altem Schrot und Korn – zwei hochgepushte, kernige Sportmotoren als krasser Gegensatz zur seidenweichen Arbeitsweise des BMW-Sechszylinders. Im Fall des Mitsubishi beispielsweise mit einem Vierzylinder, der unverhohlen mit hohen Drehzahlen kokettiert und seinem gierigen Treiben mit metallischem Bohren Nachdruck verleiht. Während der zunächst dumpf schnaubende Subaru-Boxer bei zunehmenden Touren derart heiser aus seinem armdicken Endrohr faucht, als würde kein Hubkolbenmotor, sondern eine Turbine unter der Haube stecken. Ihr rustikales Charisma steht den Japanern also nicht nur in ihre von Luftöffnungen zerfurchten Gesichter geschrieben, sondern ist auch im Alltag allgegenwärtig.

Während das Fahrwerks-Setup des BMW – auch mit dem beim Testwagen installierten optionalen M Paket – geschmeidige Züge trägt, teilen Evo und WRX gut bürgerlich aus. Zwar präsentiert sich das Bilstein-Fahrwerk des Mitsubishi aus sportlicher Sicht als bestens präpariert, nur kurze Fahrbahnabsätze sind nicht so sein Ding. Der Evo stolpert etwas ungehobelt über Querfugen, rumpelt gar noch hölzerner über kreuzende Straßenbahnschienen als der Runflat-bereifte BMW. Der Subaru hingegen kann derartige Hürden noch einigermaßen parieren, doch bringen ihn spätestens kurz aufeinanderfolgende Wellen aus der Fassung. Sie regen den Vorderwagen zu einem stetigen Wippen an, was den WRX-Piloten wiederum zum latenten Kopfnicker werden lässt. Dennoch mag man beiden Japanern derartige Schwächen im Komfort ebenso verzeihen wie die Eigenheit, Spurrillen hinterherzuschnüffeln. Oder gar die spröde Hartplastikatmosphäre im Innenraum. Es ist eben das Wesentliche, was zählt. Wie zum Beispiel die hier wie dort perfekt geschnittenen Sportsitze, die der Ergonomie des BMW-Gestühls in nichts nachstehen, auch wenn sie ohne elektrische Helfer auskommen.

Keine Limousine kann es mit dem EVO in der Lenkpräzision aufnehmen

Die beflügelten Asiaten sind fürs Herz und nicht für den Verstand. Sie sind Fahrmaschinen, und daraus wird kein Hehl gemacht – basta! Präziser und zackiger als der Mitsubishi lenkt schließlich keine Limousine der Welt ein. Der Subaru folgt mit etwas Abstand – und das auch nur, weil er es aus der Mittellage heraus kurzzeitig an Exaktheit vermissen lässt. Allein daran liegt es jedoch nicht, dass das blaue Boxer-Ungetüm bei der schnellen Runde auf dem Kleinen Kurs nicht die erwartete Tagesbestzeit setzt. Trotz der Sportreifen schiebt der Subaru eklatant über die Vorderachse. Diesmal muss er den neutraler agierenden Mitsubishi ziehen lassen. Der präzise und sichere Evo IX macht die Pace. Auch im Vergleich zum BMW, der sich mit einer Rundenzeit von 1.18,0 Minuten hinter den beiden Japanern einreiht – wenn auch nur mit wenigen Zehntelsekunden Rückstand. Spätestens auf der Rennstrecke ist dem 335i sein Mehrgewicht anzumerken. Natürlich lenkt er willig ein, bleibt im Grenzbereich neutral bis leicht untersteuernd und auch bei Lastwechsel stoisch sicher.

Gar so zackig und leichtfüßig wie der Evo dribbelt der Bayer dann aber doch nicht ums Eck. Und nach engen Kehren hadert er etwas mit der Traktion, was sich in einem durchdrehenden kurveninneren Hinterrad äußert. Der abschließende 18-Meter-Slalom nährt diese fahrdynamischen Tendenzen. Der Evo wirbelt am engagiertesten durch die Hütchen. Zwar pendelt auch er sich auf, ist aber leichter auf Kurs zu halten als der Subaru. Und auch der BMW kommt – obwohl erst in den letzten beiden Toren – mit seinem sonst so sturen Heck in Stimmung.

Und die Moral von der Geschicht? Betrachtet man die sport auto-Punktewertung, so offenbart sich der Mitsubishi als der Sportlichste dieses Trios und scheint somit das Wahlergebnis ad absurdum zu führen. Ansichtssache. Denn der BMW ist schließlich einer, der mit einem deutlich breiteren Spektrum aufwartet. Er ist ein Typ, der den Auftritt auf der Rennstrecke ebenso beherrscht wie jenen vor der Mailänder Skala. Und er ist einer, der trotz aller Leistungsfähigkeit auch seine Trinksitten im Zaum hält. Das ist in der heutigen Zeit nicht nur einiges wert, sondern auf bayerisch ausgedrückt: gschert.

Basisdaten
Marke BMW Mitsubishi
Modell 335i Lancer Evolution IX
Baujahr 2008 2006
Grundpreis 42.600 Euro 40.590 Euro
Motor Reihenmotor 6 Zylinder Abgasturbolader (0.6 bar) Reihenmotor 4 Zylinder Abgasturbolader (0.85 bar)
Ventile 4 pro Zylinder, dohc 4 pro Zylinder, dohc
Bohrung mal Hub 84,0 x 89,6 mm 85,0 x 88,0 mm
Hubraum 2979 cm³ 1997 cm³
Verdichtung 10,2:1 8,8:1
Leistung 306 PS (225 kW)
bei 5800 U/min
280 PS (206 kW)
bei 6500 U/min
Drehmoment 400 Nm bei 1300 U/min 355 Nm bei 3500 U/min
Literleistung 103 PS (76 kW)/Liter Hubraum 140 PS (103 kW)/Liter Hubraum
Kraftübertragung Hinterradantrieb Allradantrieb
Getriebe 6-Gang, vollsynchronisiert 6-Gang, vollsynchronisiert
Gangübersetzungen I. 4.055, II. 2.396, III. 1.582, IV. 1.192, V. 1, VI. 0.872, I. 2.909, II. 1.944, III. 1.434, IV. 1.1, V. 0.868, VI. 0.693,
Achsübersetzung 3,08 4,58
 
Fahrwerk
Radaufhängung (vorn/hinten) Einzelradaufhängung / Einzelradaufhängung Einzelradaufhängung / Einzelradaufhängung
Federung
(vorn/hinten)
mit McPherson-Federbeinen / mit Schraubenfedern, Stoßdämpfern mit McPherson-Federbeinen / mit Schraubenfedern, Stoßdämpfern
Stabilisatoren (vorn/hinten) ja / ja ja / ja
Bremsdurchmesser (vorn/hinten) 348/336 mm 263/252 mm
Reifen (vorn) 225/40 R 18 235/45 R 17
Felgengröße (vorn) 8 J x 18 8 JJ x 17
Reifen (hinten) 255/35 R 18 235/45 R 17
Felgengröße (hinten) 8,5 J x 18 8 JJ x 17
 
SPAX
sport auto-Index 5.6 5.7
Autor: Jochen Übler
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