Hier können Sie sich einloggen oder registrieren.
sport auto-Zeitschrift 09-2010

Mercedes E 63 AMG, C 63 AMG, CLS 63 AMG und SL 63 AMG

Der Krieg der 63 AMG-Sterne

Ganz so dramatisch wie der Titel glauben macht, ist die Sache natürlich nicht: Krieg herrscht keiner zwischen den V8-Modellen von AMG, wohl aber eine gesunde Konkurrenz. Wie sich das jüngste Modell, der E 63 AMG, gegen die etablierten C 63, CLS 63 und SL 63 in Szene setzt, zeigt der Test.


Bilder
‹ zurück Bild 1 von 32 weiter ›
Foto: Hans-Dieter Seufert

Der neue Mercedes E 63 AMG tritt gegen die Konkurrenz aus den eigenen Reihen an.

Der neue Mercedes E 63 AMG tritt gegen die Konkurrenz aus den eigenen Reihen an.

Nein - zu beneiden sind die Entwickler in der Automobilbranche wahrlich nicht. Komfortabler, schneller, sicherer. Wer ein neues Auto an den Mann beziehungsweise die Frau bringen will, muss garantieren, dass der Newcomer besser ist. Besser als sein direkter Vorgänger, besser als andere, ähnlich positionierte Modelle der Marke und - wenn irgend möglich - auch besser als oder zumindest ähnlich gut wie die Konkurrenz.

Mehr zum Thema

Supertest Mercedes C63 AMG Wie dynamisch ist die Kombination aus Mittelklasse und V8-Motor?
Supertest Mercedes SL65AMG BS Straßensportler mit Potential zum Überflieger?
Mercedes E 63 AMG T Power-Kombi mit 525 PS starkem V8-Motor
Brabus Freie Fahrt für 63-AMG-Modelle

Um dies zu gewährleisten braucht es Köpfchen, Sorgfalt und viel Liebe zum Detail. Denn die Welt kosten dürfen die der Besserung dienenden Maßnahmen selbstredend auch nicht. Die Schmerzunempfindlichkeit der Autokäufer in Bezug auf den Preis ist schließlich nicht grenzenlos. Insbesondere bei den die Marke tragenden Volumenmodellen wie beispielsweise der Mercedes E-Klasse und in Zeiten wie diesen, wo sich auch gute Autos längst nicht mehr von selbst verkaufen, dürfen der Entwicklungsabteilung keine Schnitzer unterlaufen. Sparen an der falschen Ecke oder die versuchte Neuauflage der Eier legenden Wollmilchsau haben sich schon oft gerächt. Zwar sollen moderne Autos irgendwie schon alles können, aber eben auch alles gut.

Die AMG-Modelle sind die Mercedes Flaggschiffe

Das gilt auch und gerade für die sportlichen Flaggschiffe einer Marke. Bei Mercedes sind dies seit gut 40 Jahren die Fahrzeuge mit den Lettern AMG im Namen. Seit der Abkehr vom 5,5-Liter-Kompressor-V8 tragen jene das Kürzel 63 am Heck. Jenes steht für Saugmotoren mit üppig viel Leistung aus 6.208, auf acht Zylinder verteilten Kubikzentimeter Hubraum und findet mit Ausnahme der kleineren Modelle (A, B, CLC, SLK und GLK) über alle Baureihen hinweg Verwendung. Aus sportlicher und sport auto-Sicht interessant sind dabei vor allem der CLS 63 AMG, der C 63 AMG, der SL 63 AMG und der E 63 AMG - die jüngste Speerspitze aus Affalterbach. Die Reihenfolge der Namensnennung ist dabei nicht etwa zufällig gewählt, sondern entspricht der zeitlichen Abfolge der Markteinführung, was eine durchaus erhebliche Rolle spielt. Doch dazu später.

Zu Beginn des direkten Vergleichs der Sternen-Krieger ist eine Abgrenzung gefragt. Da wäre zuerst einmal der CLS 63 AMG. Eine von Mercedes als viertüriges Coupé positionierte Limousine mit 514 PS, Hinterradantrieb, Siebengang-Automatik und stattlichen 1.958 Kilo Gewicht. Mit 4,91 Meter Länge, luxuriös-komfortabler Innenausstattung und dem eleganten Auftritt eher für die große Fahrt als für die Zeitenhatz auf kurvigen Landstraßen oder abgesperrtem Terrain gedacht und daher nur mäßig sportlich konfiguriert. Dies lässt sich an der im Rahmen des sport auto-Vergleichs mit dem BMW M5 (Ausgabe 11/2007) ermittelten Rundenzeit von 1.18,5 Minuten unschwer ablesen. Spürbares Einlenk-Untersteuern - so das Urteil des Kollegen - gepaart mit jederzeit möglichem Leistungsübersteuern kosteten den Hecktriebler auf dem Kleinen Kurs wertvolle Zeit.

Das Performance Studio bei AMG entwickelte spezielle Pakete für AMG-Modelle

Damals modifizierten die Affalterbacher Ingenieure die Serien-Fahrwerke nur moderat. Mit dem Debüt des auf denselben V8-Saugmotor zugreifenden, "nur" 457 PS starken, aber mit 1.761 Kilogramm auch deutlich leichteren C 63 AMG änderte sich dies. Bei AMG war inzwischen das Performance Studio aktiv, das nicht nur für die der Hardcore-Klientel gewidmeten Black Series-Modelle verantwortlich zeichnet, sondern auch spezielle Performance Packages für ausgewählte AMG-Modelle entwickelt. Ein solches machte den zu Beginn des Jahres (Ausgabe 2/2009) zum Supertest angetretenen C 63 schnell und - dank des aufpreispflichtigen Sportfahrwerks - ungebührlich hart. Auf öffentlichen Straßen war der konsequent der Fahrdynamik verschriebene Unterbau dazu angetan, die Insassen weich zu klopfen.

1.15,7 Minuten in Hockenheim und eine damit einhergehende ungewohnte Nähe zum direkten Konkurrenten BMW M3 lautet der Lohn des Komfort-Verzichts. Auf der welligen Berg-und-Talbahn der Nürburgring-Nordschleife bringt die Hardcore-Abstimmung keine Zeitvorteile, wie die Vergleichsfahrt mit einem ohne Sportfahrwerk bereitgestellten C-Klasse-Modell bewies. Mit dem deutlich komfortableren Serien-Setup brachte sie es auf dieselben Rundenzeiten.

Beim Mercedes SL 63 AMG wurden die Dämpferabstimmung und die Elastokinematik überarbeitet

Als Mercedes AMG sich im Jahr 2008 des just neu aufgelegten Kult-Roadsters SL annahm, ging man die für ein hohes Maß an Querdynamik so wichtigen Arbeiten am Fahrwerk noch gründlicher an. Erstmals wurde im Fall des SL 63 AMG nicht nur die Dämpferabstimmung des serienmäßigen ABC-Fahrwerks überarbeitet, sondern auch die gesamte Elastokinematik der Achsen modifiziert. Dies lässt den Zweisitzer im Verbund mit der gleichfalls AMG-spezifisch optimierten Parameter-Lenkung sehr viel agiler und leichtfüßiger agieren, als in Anbetracht des mit 1.986 Kilogramm doch recht stattlichen Fahrzeuggewichts zu vermuten gewesen wäre.

Auf dem Kleinen Kurs im Badischen hinterlässt der Hecktriebler mit dem gesunden Durst (19,8 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer) mit 1.15,0 Minuten eine neue Duftmarke. Dass diese Zeit am selben Tag bei warmen 21 Grad Luft- und 28 Grad Asphalttemperatur herausgefahren wurde wie die beeindruckenden 1.14,0 Minuten, die der brandneue E 63 AMG für sich verbuchen kann, verleiht ihr einen besonderen Stellenwert. Dabei greifen beide Autos auf die mit 525 PS stärkste Ausbaustufe des 6,3-Liter-Saugers zu. Der SL 63 muss mit jeder Pferdestärke 3,8, der rund 100 Kilo leichtere E 63 AMG 3,6 Kilogramm in Bewegung setzen.

Das AMG Ride Control Fahrwerk hat großen Verdienst an der schnellen Rundenzeit

Das allein erklärt den Vorsprung der Limousine vor dem Roadster freilich nicht. Vielmehr verfügt der in ein edles mattgraues Metallic-Kleid gehüllte Newcomer über den höchsten Modifikationsgrad aller AMG-Modelle. Das hinterlässt Spuren. Leichtfüßiger als mit dem in Affalterbach selbst entwickelten AMG Ride Control Fahrwerk mit elektronisch geregelter Dämpfung hat in Hockenheim noch kein Mercedes aufgespielt. Der mit einer neu konstruierten Vorderachse versehene Fünfsitzer lenkt ausgesprochen zackig ein, ist grundsätzlich in hohem Maße der Neutralität verpflichtet, kann auf Wunsch des Fahrers aber auch schon mal das kantig-klar gezeichnete Heck heraushängen - ganz nach Gusto. Dabei erfolgt der Übergang von der Haft- in die Gleitreibung nie ungebührlich schnell oder gar tückisch, sondern stets so sanft, dass Zeit zur Einleitung situationsgerechter Gegenmaßnahmen verbleibt.

Hier zeigen sowohl die unkonventionelle Kombination aus herkömmlicher Stahlfederung an der Vorder- und Luftfederung an der Hinterachse als auch die speziell für den starken E entwickelten Conti SportContact-Reifen der fünften Generation positive Wirkung. Im harmonischen Zusammenspiel beschert diese Combo der mit bis zu 630 Newtonmeter Drehmoment beaufschlagten hinteren Antriebsachse ein erstaunliches Maß an Traktion und Contenance.

Das ESP ist beim Mercedes SL und E 63 AMG komplett deaktivierbar

Dies und die zunehmende Eigenständigkeit und Sport-Orientierung der Affalterbacher Sportdependance machen etwaige Eigenmächtigkeiten der selbstredend auch hier an Bord befindlichen Sicherungssysteme entbehrlich. Anders als bei älteren AMG-Modellen mit 63er- Kennung ist das bei Rennstrecken-Jüngern als Spaßkiller verschriene ESP sowohl beim SL als auch beim E 63 AMG zur Gänze ausschaltbar. Auf der Bremse gibt sich die mit aufpreispflichtigen Keramik-Stoppern, deren genauer Preis bei Drucklegung noch nicht feststand, standfest und zuverlässig. Der Druckpunkt ist genau definiert, der Pedalweg bleibt ebenso konstant wie die Verzögerungswerte bei der Standardmessung: Die Beläge packten warm mit mittleren 10,5 m/s2 zu. Angesichts des ausgeprägten Temperaments des Newcomers ist das auch angeraten. Schließlich prescht die aller Sportlichkeit zum Trotz rundum für Langstrecken und Familien taugliche Limo binnen 4,5 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo.

Die 200-km/h- Hürde ist nach 14,6 Sekunden genommen. Damit spielt der E 63 AMG endgültig in einer Liga mit so ausgewiesenen Sportskameraden wie dem Porsche Panamera Turbo. Dass der Viersitzer mit dem rundlichen Heck der sehnigen Stufenheck-Limousine auch bei der Zeitenhatz auf dem Kleinen Kurs nicht nennenswert davonziehen kann, dürfte die verantwortlichen AMGler besonders freuen. Mit 1.13,7 Minuten ist der Vorsprung des Zwei- Tonnen-Sportlers auf den starken Mercedes hauchdünn. Näher lagen Stuttgart-Zuffenhausen und Affalterbach noch nie zusammen. Bleibt zu hoffen, dass nun auch die Konkurrenz aus Garching alles richtig macht. Von dort dräut in naher Zukunft nämlich der neue BMW M5. Na dann: Auf die Entwickler!


Basisdaten
Marke Mercedes Mercedes
Modell E 63 AMG SL 63 AMG
Baujahr 2009 2008
Grundpreis 105.791 Euro 149.048 Euro
Motor V-Motor 8 Zylinder V-Motor 8 Zylinder
Ventile 4 pro Zylinder, dohc 4 pro Zylinder, dohc
Bohrung mal Hub 102,2 x 94,6 mm 102,2 x 94,6 mm
Hubraum 6208 cm³ 6208 cm³
Verdichtung 11,3:1 11,3:1
Leistung 525 PS (386 kW)
bei 6800 U/min
525 PS (386 kW)
bei 6800 U/min
Drehmoment 630 Nm bei 5200 U/min 630 Nm bei 5200 U/min
Literleistung 85 PS (62 kW)/Liter Hubraum 85 PS (62 kW)/Liter Hubraum
Kraftübertragung Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Getriebe 7-Gang, automatisch 7-Gang, automatisch
Gangübersetzungen I. 4.38, II. 2.86, III. 1.92, IV. 1.37, V. 1, VI. 0.82, VII. 0.73 I. 4.38, II. 2.86, III. 1.92, IV. 1.37, V. 1, VI. 0.82, VII. 0.73
Achsübersetzung 3,06 3,06
 
Fahrwerk
Radaufhängung (vorn/hinten) Einzelradaufhängung / Einzelradaufhängung Einzelradaufhängung / Einzelradaufhängung
Federung
(vorn/hinten)
mit Schraubenfedern, Stoßdämpfern / mit Luftfedern mit Schraubenfedern, Stoßdämpfern / mit Schraubenfedern, Stoßdämpfern
Stabilisatoren (vorn/hinten) ja / ja /
Bremsdurchmesser (vorn/hinten) 360/360 mm 360/330 mm
Reifen (vorn) 255/35 ZR 19 255/35 ZR 19
Felgengröße (vorn) 9 J x 19 8,5 J x 19
Reifen (hinten) 285/30 ZR 19 285/30 ZR 19
Felgengröße (hinten) 9,5 J x 19 9,5 J x 19
 
SPAX
sport auto-Index 4,0 4,3
Autor: Anja Wassertheurer
E 63 AMG - der neue Mercedes Top-Sportler?


dans dans » 11.05.2010, 19:49 Uhr  #5

Ein Traumauto...endlich wird AMG von Mercedes an der langen Leine gehalten und nicht mehr an der kurzen. Freue mich jetzt schon auf kommende Duelle mit dem neuen M5, der wie ich denke die Latte noch einaml ein Stück anheben wird. Doch einen Vorteil wird der E behalten...die Kombi Version schade das es keinen M5 Touring mehr geben wird ;-)

WOBBY WOBBY » 20.04.2010, 00:30 Uhr  #4

Naja, also M5 und co als Sportwägen zu bezeichnen fine ich übertrieben. Ich hab vom M3 bis zum RS6 ja schon fast alle auf der Rennstrecke erlebt und da fehlts einfach noch zum Sportwagen.

und wenn ich schon höre das der neue M5 unterwegs is dann würde mich als erstes der durchschnittsverbrauch interessieren denn den hat Benz ja doch recht weit runtergehaun im Vergleich zu Audi und das bei den Leistungsdaten das is schon ne Marke.

530d 530d » 18.04.2010, 17:53 Uhr  #3

Hockenheim laut SportAuto:

BMW M5: 1:16:8
Audi RS6: 1:15:3
Mercedes E63 AMG: 1:14:0

Beweis Ende!

BMW müsste es also schaffen 2,8s schneller zu werden. Bitte auch bedenken: Der AMG hatte keine Semislicks drauf gehabt. Zumal pünktlich zum neuen M5 auch der Biturbo-Achtzylinder für die E-Klasse bereit stehen sollte, nach allem was man so liest.

Wir werden uns wohl langsam dran gewöhnen müssen. Die sportlichsten Limousinen kommen seit kurzem nicht mehr aus München (von Audi kamen die noch nie!).

David David » 31.03.2010, 14:55 Uhr  #2

@Benzfan: Naja... man sollte wenn, dann schon mit einem Audi RS vergleichen. Und ich wäre da nicht so voreilig, denn der neue M5 ist schon auf dem Weg, und zwar vorbei an jeder Konkurenz. ;)
Der alte hat ja schon ein paar Jährchen auf dem Puckel.

Benzfan Benzfan » 01.12.2009, 08:52 Uhr  #1

Geile Karre

das beste und schönste Serienauto auf dem Markt

Da kann jeder M oder S einpacken

Die sportlichsten Autos 2010
Leserwahl - Die sportlichsten Autos 2010
Topstories

Rundenzeiten
Rundenzeiten Supertest
Tests und Fahrberichte
Reifen-Suche
Reifensuche - Hier finden Sie Sommerreifen und Winterreifen

Nicht gleich durchdrehen - die passenden Sommerreifen und Winterreifen aller Hersteller finden Sie hier.

Wie erkenne ich meinen Reifen?



Autokreditvergleich
Günstige Kredite zu marktaktuellen Zinsen –
jetzt kostenlos und unverbindlich vergleichen!
Kfz-Versicherungsvergleich
Kfz-Versicherung vergleichen und bis zu 500 Euro sparen.
Jetzt gewinnen! VW Passat CC V6 4Motion